Irgendwo im Nirgendwo… Telavi und Gremi – 23.-24.10.2010

Spontan ging es am Samstagmorgen mit drei Weltwärtsfreiwilligen nach Kachetien, also in den Osten des Landes. Nach zweieinhalbstündiger Fahrt mit der Marschrutka kamen wir im verregneten Telavi an, der Hauptstadt Kachetiens. Dort blieben wir leider aufgrund des Regens nicht sehr lange. Nach einem kurzen Zwischenimbiss und einem mini, mini Sightseeing sind wir mit dem Taxi nach Gremi, der ehemaligen Hauptstadt Kachetiens, gefahren. Dort haben wir drei andere Weltwärtsfreiwillige besucht, welche über den Verein „Freund der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ in einer Stätte für Kinder und Erwachsene mit körperlichen und/ oder geistigen Einschränkungen arbeiten und leben. Auf dem Hof gibt es mehrere Häuser, in welchen die Freiwilligen zusammen mit zwei Familien und anderen Heimbewohnern leben –ein wunderschönes Gelände, welches sicherlich bei Sonnenschein noch idyllischer aussieht (vergleiche Bilder). Es gibt einen selbst angelegten Gemüse- und Obstgarten, eine Scheune, eine Schreinerei und einen Kindergarten. Gremi liegt sozusagen mitten in der Pampa –ein sehr angenehmer Ausgleich zum bisherigen turbulenten und äußerst lauten Stadtleben in Tbilissi.

Kaum angekommen, wurden wir herzlich von den dort lebenden Heimbewohnern begrüßt und in Empfang genommen. Typisch für Georgien kam es direkt zu einer schönen Überraschung: Ein dort lebendes Pärchen hatte Samstag ihren sechsten Jahrestag und morgens spontan entschlossen noch am gleichen Tag kirchlich zu heiraten. Nun denn, so fuhren etwa 20 Leute mal eben schnell zur Wehr- bzw. Erzengelkirche Gremi, welche seit 2007 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. In der mit alten und wunderschönen Fresken geschmückten Kirche fand eine traditionell georgische Hochzeit statt, welche äußerst amüsant war, da sich der Priester entweder noch in Ausbildung befand oder mit der Spontaneität der Georgier überfordert war. So musste ihm ein zweiter Priester einige Male mit dem Text auf die Sprünge helfen, beim Knoten eines Bandes, welches das Ehepaar miteinander verbinden sollte, gab er gänzlich auf und fluchte vor sich her. Nach mehreren nicht eingeplanten Patzerchen ging es nach einer halbstündigen Zeremonie wieder zurück auf den Hof und am Abend wurde köstlich gespeist und natürlich mit vielen, vielen Trinksprüchen feierlich angestoßen.

Neben der Hoffeierei habe ich in dieser Zeit mein Herz an die dort lebenden Hunde verloren. „Deda-Dzaghli“ (Mama-Hund) hat einige Wochen zuvor Welpen bekommen, welche nun auf dem Hof leben. Leider sind zwei davon schon gestorben und der Rest ist ziemlich verwahrlost. Ein Anblick, an welchen man sich als Hundeliebhaber erst einmal gewöhnen muss. So nehmen Hunde in Georgien einen nicht so hohen Stellenwert ein wie es in Deutschland der Fall ist… Da das Schicksal der kleinen Hundis leider ziemlich sicher ist (und sich ihr Leben dem Ende neigt), hatten Lena, eine Weltwärtsfreiwillige, und ich uns fest dazu entschlossen den kleinen Gremi (ein äußerst einfallsreicher Name, wie ich finde) zu retten und mit nach Tbilissi zu nehmen. Nur leider ist das gar nicht so einfach in Georgien. Um mit einem Hund innerhalb des Landes zu reisen, bedarf es einem All-round-Check und einiger Dokumente von einem Tierarzt. Dieser hatte leider sonntags zu. So mussten wir den kleinen Gremi schweren Herzens zurücklassen und hoffen, dass er noch lebt, wenn wir in der kommenden Zeit hinfahren, um ihn zu holen… Drückt uns und vor allem den Hundis die Daumen!

So mussten wir leider ohne den kleinen Racker am Sonntag unsere Rückreise antreten. Nachdem wir von Gremi aus wieder an die Kirche gelaufen sind, hatten wir tatsächlich irgendwo im Nirgendwo das Glück, dass unser Versuch des Trampens zu siebt (!) erfolgreich ausging. Nach einem kurzen Volleyball-Spiel mit einer netten, älteren Straßenverkäuferin und ihrem Sohn, haben zwei Autos angehalten und uns mit nach Telavi genommen. Nach einem genüsslichen Essen und einem kurzen Schlendern über den dortigen Markt ging es mit der Marschrutka wieder zurück ins schöne Tbilissi.

Und dort ging es direkt weiter: Nämlich auf das Stadtfest „Tbilisoba“. Unmengen an Menschen (so viele wie ich in der ganzen bisherigen Zeit noch nicht gesehen habe) waren Sonntagabend in der Stadt verteilt und feierten gemeinsam. Straßenstände, Bühnenaufführungen, Essensstände an jeder Ecke, laute stimmungserzeugende Musik und ein finales Stadtfeuerwerk krönten das Ende des ausflugsreichen Wochenende.

Mal schauen, wo es nächstes Wochenende hingehen wird…

 

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