Alter Vision 30.10.2010 und Ausflug nach Mzcheta 31.10.2010

Alter Vision 30.10.2010

Im Rahmen von Tbilisoba fand abschließend am Samstag das „Alter Vision 2010“ (ein Newcomer-Alternative-Festival) statt. Da ich in den ganzen langen sieben Wochen, die ich mittlerweile in Georgien bin, noch kein Konzert besucht habe –was für mich mehr als ungewöhnlich ist– musste ich mir selbstverständlich das Festival anschauen. Alleine schon deshalb, um zu erfahren, wie die Georgier hier Festivals feiern und wie alternativ die Bands tatsächlich sind. Und ich muss sagen, dass das Festival schon sehens- bzw. hörenswert war. Alleine vor dem Sportpalast (worin das Alter Vision stattfand) steppte der Bär: Roter Teppich, Kamera-Teams und jede Menge tanzender Jugendliche. Zum ersten Mal war es möglich, eine riesige Gruppe junger georgischer Leute auf einem Fleck Party machen zu sehen. Da es in Tbilissi bzw. in Georgien nur eine sehr gering ausgeprägte Club- und Ausgehkultur gibt, war dieser Abend schon etwas ganz Besonderes. Für 10 Lari (also 4 €) auch durchaus tragbar. …In Deutschland muss man bereits für jegliche, noch so unbekannte Band mindestens 2,50 € hinlegen…

Im Sportpalast angekommen, offenbarte sich eine riesige Arena, welche definitiv auch in irgendeiner deutschen Stadt hätte stehen können. Es gab kaum Unterschiede zu den Konzerthallen in Deutschland, außer dass der größte Teil der Besucher Sitzplätze einnahm und man überall rauchen durfte. Die Getränke waren auch hier übermäßig teuer und getanzt und gefeiert wurde genau wie bei uns auch. Interessanterweise machen die Georgier sehr gerne Breakdance, wenn sie auf ein Ereignis warten. Selbst auf dem Straßenmarkt von Tbilisoba haben sich spontan Gruppen zusammengefunden, welche über längere Zeit breakdancten und damit für Stimmung sorgten. So auch auf dem Alter Vision.

Was ein Newcomer Festival leider noch an sich hat, ist das zähe Vorankommen. So spielte leider keine Band mehrere Lieder nacheinander –im Gegenteil: Ein Song/ dann zwei Minuten Pause/ dann auf die kleine Bühne, auf welcher die Band von einem skurrilen Moderator freundlich-skurril empfangen wurde/ fünf Minuten Geplauder, wovon die meiste Zeit der Moderator plapperte und gezwungen versuchte, die Menge anzuheizen/ Abgang der Band/ weitere fünf Minuten, um das Equipment für die nächste Band aufzubauen/ zwei Minuten bis die Band tatsächlich zu spielen anfängt. Und diese Prozedur gefühlte 1000mal nacheinander. So war es kaum verwunderlich, dass ich nach der 10. Band allmählich nach Hause aufbrach…

Dennoch lässt sich festhalten, dass durchaus talentierte georgische Musiker auf dem Newcomer Festival aufgetreten sind, von welchen ich gerne noch das ein oder andere Konzert besuchen gehen möchte. Dazu hätte ich mir zwar den Namen merken müssen, aber das wird bei den wenigen Konzerten, die hier stattfinden, auch nicht allzu schwer sein… 😉

 

Mzcheta 31.10.2010

Am nächsten Tag stand wieder ein Tagesausflug auf der Tagesordnung. Dieses Mal Mzcheta, die ehemalige Hauptstadt Georgiens. Die von Tbilissi nur wenige Kilometer entfernte Stadt gilt als die altehrwürdigste Stadt Georgiens. In ihr treffen die beiden wichtigsten Flüsse Georgiens aufeinander: Der Mtkwari und der Aragwi.

Sehenswert waren in dieser Stadt (wie in allen anderen georgischen Städten und Dörfern auch…) die Kirchen und der Stadtkern. An diesem ersten bibber-kalten Tag in meiner Zeit in Georgien schaute ich mir mit ein paar anderen Freiwilligen die Samtawro- und die Sweti-Zchoweli-Kirche im Stadtinneren an. In zweitgenannter fanden innerhalb einer halben Stunde drei Hochzeiten statt. Die Zeremonien konnten dabei problemlos von den herumstehenden Touristen begutachtet und sozusagen daran teilgenommen werden. Die Brautpaare standen (mehr oder weniger gewollt) Schlange, um verheiratet zu werden. Interessanterweise ist die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Kirche auch mit Satellitenschüsseln ausgerüstet. Der Grund hierfür ist mir mehr als schleierhaft… Aber wer weiß, vielleicht waren uns die Gläubigen vor einigen Jahrhunderten meilenweit voraus und hatten schon Kontakt zum Himmel hergestellt 😉

Aber auch die Fassade, die um die Kathedrale herum angelegt wurde, erscheint sehr unpassend und sieht ganz und gar nicht nach kulturellem Weltschatz aus. Im Gegenteil: Pappartige Fassaden, künstlich-modern angelegte Häuser wirken wie eine Geisterstadtfassade im Vergnügungspark. Insbesondere im Vergleich zu dem wunderschönen bergischen Panorama im Hintergrund.

Nach einem kleinen Stadtrundgang ging es mit dem Taxi zum Dschwari-Kloster, welches ebenso zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die Kirche wurde zwischen 586 und 604 errichtet und liegt gegenüber der Mündung der Aragwi in die Mtkwari auf einem Felsen. Dementsprechend lässt sich eine unfassbar schöne Aussicht auf Mzcheta und Umgebung genießen. Leider wurde der Genuss von Windböen der Stärke 7 oder so unterbrochen. Leicht zitternd, mit halb geschlossenen Augen und einer auf meiner Mütze stützenden Hand, um ein plötzliches Wegfliegen dieser zu vermeiden, wurde der Anblick versucht so gut es geht für die Ewigkeit festzuhalten. In der Bilderkategorie finden sich ein paar schöne Schnappschüsse aus einer weiteren entdeckungswerten, georgischen Stadt….

 

Im Großen und Ganzen lässt sich festhalten, dass die georgischen Sehenswürdigkeiten einander sehr ähneln –so auch die (Tages-)Ausflüge. Im Grunde genommen fährt man in eine Stadt oder ein Dorf, besichtigt dort entweder eine der unzähligen wichtigen und uralten Kirchen oder eine alte Ruine. Die Bilder sind alle sehr bewunderns- und die Städte durchaus sehenswert, aber allmählich muss definitiv etwas Abwechslung in das bisherige Sight-Seeing gebracht werden. Anstelle von Essen gehen und Kirchen besichtigen, möchte ich in nächster Zeit entweder ein paar Tage nach Aserbaidschan reisen oder mir die Höhlenstadt oder die zentrale Weinregion Georgiens anschauen. Mal schauen, wohin mich der Weg in den nächsten Wochen bringen wird… Das Arbeiten darf ja auch nicht zu kurz kommen 😉

 

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Janis
    Nov 01, 2010 @ 19:48:54

    MUAHAHAHAHA
    Saaaaaucool! Ach Sabrinchen 😉 Wenn ich das so lese stell ich mir vor wie du mir das erzählst und muss ja so lachen!!!
    Nicht nur über die Konzerte der Bands die du besuchen möchtest, deren Namen du aber leider leider vergessen bzw. noch nie gewusst hast, sondern ach über deine Windstärke 7 und die Mütze die du festhälst!
    Sehr schön und anschaulich geschrieben!!!
    Ich maaaag deine Blogs!!!
    Du fehlst mir und es gibt soooo viel zu erzählen!
    Hoffentlich bald…
    Ich knuddel dich von ganzem Herzen und wünsch dir weiterhin eine gute Zeit! Knuuuutschaaaa

    Antwort

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