Zwei Tage Sommerträumerei und wieder zurück – Kutaissi 13.-14. November 2010

Kurzinfo zu Kutaissi:

Im Westen Georgiens liegt in der Provinz Imeretien die Stadt Kutaissi (georg. kuata – steinig). Hier herrscht ein subtropisches Klima, welches auf dem Kurzausflug deutlich zu spüren war. Mit fast 200.000 Einwohnern ist Kutaissi die zweitgrößte Stadt Georgiens und wird von (bisher) allen Georgien zur genaueren Besichtigung empfohlen.

 

Eigentlich war der Ausflug nach Kutaissi bereits für vergangenes Wochenende angesetzt. Aber wie es in Georgien des Öfteren vorkommt, nimmt man sich zwar etwas fest vor, aber verschiebt es dann doch auf ein andermal. Doch genau das macht das Leben hier so schön angenehm: Es wird nicht alles bis ins kleinste Detail durchgeplant und organisiert, vielmehr schaut man was passiert. Und genauso verlief der Kurzausflug nach Kutaissi – und aus diesem Grund entstand daraus ein kleiner, perfekter Sommertraum.

Samstags in der Früh ging die zweieinhalbstündige Marschrutka-Abenteuer-Fahrt los. In Kutaissi am Busbahnhof angekommen, sah die Stadt alles andere als schön aus. Zumal alle Fahrgäste bereits einen Ort vorher ausgestiegen sind –dies ließ nicht unbedingt darauf schließen, dass Kutaissi eine sehenswerte Stadt sei. Kaum aus der Marschrutka ausgestiegen, traf uns direkt der Schlag: Wolkenfreier Himmel und gefühlte 30°C. Und das im November! Schnell alle Jacken und Westen in den Rucksack gepackt und es kann endlich (im T-Shirt!) losgehen. Zwar ohne jeglichen Plan wohin, aber egal. Ins Stadtzentrum findet man immer. Und was uns dort erwartete, übertraf jegliche Vorstellungen. Ein wunderschönes, idyllisches Stadtzentrum, welches fleißig restauriert und renoviert wird, umgeben von mehreren Parks und engen gepflasterten Straßen verleiht der Stadt ein besonderes und außergewöhnliches Ambiente –insbesondere bei solche traumhaften Wetter. So ging die Besichtigung am Rioni-Fluss los, in welchem Gestein aus den Bergen des Kaukasus deutlich erkennbar abgelagert ist. Von dort aus ging es mit einer Minigondel erst mal zum Bessikli-(natürlich!)Vergnügungs-Park. So findet sich in jeder größeren Stadt entweder eine immens bunte Stadtbeleuchtung oder (manchmal auch und…) ein Riesenrad auf einem Berg. Dies war auch in Kutaissi der Fall. Aber allein die Gondelfahrt, der Blick über die Stadt und die Feststellung, dass der Vergnügungspark mehr Kameras als Besucher hat, lohnt schon.

Nach einem kurzen Spaziergang durch die Innenstadt und einem ersten, mehr als guten Eindruck ging es zur potentiellen Übernachtungsmöglichkeit: Giorgi‘ s Guesthouse. Ich bin zwar kein Freund von Schleichwerbung, aber in diesem Falle muss ich erwähnen, dass ich mir keine bessere Unterkunft vorstellen kann. Ein georgisches Altherrenhaus mit gemütlicher Einrichtung und solch netten Gastgebern bewirken schon beim Eintreten ein heimisches Gefühl. Giorgi und seine Tochter Marianne sind äußerst aufgeschlossene und interessierte Gastgeber (welche auch beide fließend Englisch sprechen können), die sehr auf das Wohl ihrer Gäste bedacht sind. Allein die Unterkunft hätte schon gereicht, um eine weitere Nacht (gar noch viel, viel länger) dort bleiben zu wollen… Zumal das Guesthouse super preiswert ist und in optimaler Lage liegt: Quasi um die Ecke der Ruine der Bagrat-Kathedrale, welche momentan restauriert wird. Von dort aus hat man sowohl tagsüber als auch nachts wohl einen der schönsten Blicke über die Stadt.

Nach einem gemütlichen Nachtspaziergang durch die Stadt und dem Genuss von leckerem selbstgebrautem georgischem Bier ging es zurück zu Giorgis, um sich endlich von der schnelllebigen und anstrengenden Woche in Tbilissi zu erholen. Und wer wirklich abschalten und zur Ruhe finden möchte, dem empfehle ich einen Wochenendausflug nach Kutaissi. Keine verpestete Luft, keine 6-spurigen Straßen inmitten der Stadt und keine kontinuierlich grundlos hupenden Autofahrer. Stattdessen wird man von Sonnenstrahlen, bellenden Hunden und krähenden Hähnen geweckt –eine deutlich angenehmere Variante des Aufstehens.

Nach einem mehr als üppigen und unglaublich köstlichem (vegetarischen J ) Frühstück sowie nach einem etwas längeren Abschied (Eintrag in Giorgis Gästebuch, Foto, Kontaktaustausch, 5 x „Auf Wiedersehen“ und „Nachwamdiß“) ging der Kurzsommerurlaub bei wiederholten 30°C im T-Shirt weiter. Nach einer erneuten Besichtigung der schönen Stadt ging es mit einem äußerst kuriosen Taxifahrer nach Gelati (eine Kloster- und Akademieanlage sowie ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe). Und genau dort ereignete sich mal wieder ein georgischer (scheinbar typischer) Zufall. Der Taxifahrer sprach kein Wort Englisch oder Deutsch und mit unseren bisherigen Georgisch-Kenntnissen kamen wir auch nicht weit. Als der Fahrer dann mit Französisch anfing, glaubte ich für einen kurzen Moment, wir seien gerettet und ich könnte mich endlich mit ihm verständigen. Dem war aber nicht so. Der alte Herr sprach und sprach und sprach, obwohl ich ihm deutlich zu Verstehen gab, dass ich ihn nicht verstehe. Das Ende vom Lied war: Er wollte uns nicht gehen lassen. Dabei hatte ich ihm das Geld schon vor die Nase gehalten. Weder wollte er das Geld, noch uns gehen lassen. Zum Glück kam ein netter Georgier vorbei, welcher uns auf Englisch seine Hilfe anbot. Der Georgier hatte uns wohl schon in der Stadt gesehen, uns deshalb noch mal angesprochen und die missliche Lage geklärt. Und wie es der Zufall so will, haben wir eine Gratis-Besichtigungs-Tour bekommen. Mit rundum Informationen wurde uns die wunderschöne Klosteranlage Gelati näher gebracht und im Anschluss daran ging es mit dem Auto zum Kriegerdenkmal Motsameta. Wie es die georgische Gastfreundschaft will, folgte hiernach eine Einladung zum traditionellen georgischen Essen in einer Brauerei am Rioni-Fluss. Wären wir noch eine Nacht länger geblieben, hätten uns die Georgier vermutlich mit zurück nach Tbilissi genommen. Aber wie es leider so ist, muss man ja bekannterweise montags arbeiten. So wurden wir wenigstens noch zum Busbahnhof gefahren, eine Marschrutka und Sitzplätze nebeneinander wurden uns ebenso organisiert. Der nette, im Finanzministerium arbeitende Georgier scheint unter den Leuten ziemlich bekannt zu sein… Näheres werden wir hierzu noch herausfinden 😉

 

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