Abenteuer Türkei Teil I

Wie die Zeit rennt und rennt und rennt… Da kommt man gar nicht mehr hinterher –weder mit Schreiben noch mit Eindrücke verarbeiten. Aber ich versuche nachstehend mein bestes zu geben. Was war los die letzten drei Wochen? Die Türkei war los! Und warum fährt man einfach mal so im Dezember in die Türkei? Das liegt wohl an dem Kulturweit-Zwischenseminar in Ankara. Dieses war zwar nur für 5 Tage vorgesehen, aber wenn man schon mal unterwegs ist, dann kann man sich auch ein paar freie Tage davor und dahinter gönnen und so viel anschauen, wie man imstande ist.

Hier die Kurzroute:

1., Nachtzug nach Batumi

2., weiter nach Sarpi (türkische Grenze)

3., von dort aus nach Hopa (Türkei)

4., Weiterfahrt nach Trabzon à2 Nächte Aufenthalt

5., Weiterreise nach Kayseri

6., Tagesausflug Göreme (Cappadocia) à1 Nacht Aufenthalt in Kayseri

7., Anreise Zwischenseminar Ankara à5 Tage Seminar + 2 Privattage

8., Rückflug Tbilissi…

 

Was gibt es alles zu berichten? Na ja, wir (die Georgien-Kultis und ich) haben viele schöne Orte gesehen bzw. auch nicht gesehen. Batumi kannten wir schon und hatten nur einen Zwischenstopp am Schwarzen Meer eingelegt, um nach der Nachtzug- neue Kräfte für die Türkei-Reise zu sammeln. Eine achtstündige Fahrt mit dem Nachtzug kann nämlich ganz schön anstrengend sein, wenn man mal wieder Reisende aus aller Welt kennenlernt und mit diesen die Nacht über feiert. Doch nach zwei Wizard-Runden am Meer war wieder genügend Energie da, um sich über die türkische Grenze zu begeben. Kurze Anmerkung am Rande: An Grenzen herrscht grundsätzlich eine ganz außergewöhnliche, surreale Atmosphäre. So steht z.B. 50m auf der einen Seite vom Grenzhäuschen eine große georgisch-orthodoxe Kirche, 50m auf der anderen Seite eine nicht übersehbare Moschee.

Weiter ging es mit dem Taxi von Sarpi an der türkischen Grenze nach Hopa, um von dort aus einige Stunden an der Schwarzmeerküste entlang (àein traumhafter Anblick!) nach Trabzon zu fahren. Trabzon, eine Hafenstadt über welche der Lonely Planet schreibt, dass man sie entweder liebt oder hasst. Dazu konnte ich mir keine Meinung bilden. Schließlich haben wir nicht allzu viel von der Stadt gesehen –außer natürlich eine Kirche, den türkischen Basari, die Innenstadt und die Wohnung unseres Couchsurfers, mit welchem man durchaus amüsant feiern konnte. Vor allem in Kombination mit seinem holländischen Freund, der spontan einen Zwischenstopp in seiner Osteuropa-Reise einlegte und auf einmal vor der Tür stand. Aufgrund des allgemeinen Wohlbefindens mit den Zweien blieben wir auch eine Nacht länger als eigentlich vorgesehen.

So konnten wir dann gut erholt (jedenfalls mehr oder weniger…) über Nacht mit dem Bus nach Kayseri fahren. Noch eine Anmerkung am Rande: Einen solchen Busreise-Komfort, wie wir ihn in der Türkei erlebt haben, kann man in Deutschland bei weitem nicht genießen. Die Busse gleichen von ihrer Größe kleinen Reiseraumschiffen und bieten unglaubliche Annehmlichkeiten. Das macht das Reisen wirklich mehr als angenehm! So gibt es auch eine(n) Busstewardess (/-steward), welcher dafür sorgt, dass man wohlig reisen kann.

In Kayseri am „Otogar“ (Busbahnhof) angekommen, ging es von dort aus auch schon direkt weiter nach Göreme, Cappadocia. Wie man schon gut erkennen kann: Im Endeffekt waren wir mehr im Bus unterwegs als wir eigentlich gesehen haben. Aber das von dem Wenigen, was wir gesehen haben, war mehr als lohnenswert. Kein Wunder ist der Reiseführer des Lonely Planets für die Türkei genauso dick wie der für China… Kurzinfo zu Göreme àist eine Felsenstadt, welche zum Welt- und Kulturerbe zählt und einen guten Einblick in das Leben der Flintstones gibt. Die Landschaft ist mehr als faszinierend, der Anblick fesselnd und überwältigend. Vor allem das Durchstöbern der Höhlen lässt auf das frühere Leben dort schließen. So kann man unzählige Kirchen mit beeindruckend gut erhaltenen Fresken betrachten sowie die Ess- und Schlafgemächer besuchen und sich ein Bild davon zusammenreimen, wie das Leben in den Höhlen früher wohl stattgefunden hat. Und das Leben in den Höhlen hat noch bis 1924 stattgefunden! Jedenfalls war der Tagesausflug bei 22°C warmen Wetter mit blauem, wolkenfreien Himmel sehr lohnenswert! Ein wirklich schöner Tag!

Von Göreme ging es dann wieder zurück nach Kayseri und damit auch zu den nächsten Couchsurfern. Eine klassische Männer-WG, die uns herzlich aufgenommen und uns noch einen netten Abend beschert hat, bevor es früh (mehr als früh!) morgens in den Bus nach Ankara ging. Mit diesem waren wir gute 5 Stunden unterwegs bis wir am Ort unseres Kulturweit-Zwischenseminars angelangten. Ein Hotel mitten im Zentrum der Stadt. So viel Luxus muss sein! Natürlich ist es auch unerlässlich die nächsten 5 Tage auf Kosten des deutschen Steuerzahlers zweimal am Tag essen zu gehen. Aber das muss ja keiner wissen…

Zum Zwischenseminar: Es war echt mehr als interessant, andere Freiwillige aus der Türkei und der Nahost-Region zu treffen und sich über deren bisherigen Erfahrungen auszutauschen. Das Seminar war informativ, aber (wie kann es auch anders sein) gleichzeitig mal wieder sehr reflektiv… So sollten wir uns Gedanken zu unserem Dasein, unserer Tätigkeit und unseren bisherigen interkulturellen Erlebnissen machen. Daneben haben wir eine Stadtführung durch Ankara erhalten, welche uns ein Stück der architektonischen Schönheit der Stadt näher bringen sollte, welche aber (so leid es mir auch tut, das sagen zu müssen…) einfach nicht vorhanden ist… Weiterhin hatten wir noch einen exklusiven Einblick in das Geschehen der Organisation „kaosgl“ erhalten, welche sich für die Rechte von Homosexuellen in der Türkei einsetzt. Eine unglaublich spannende und äußerst mutige Organisation, welcher an dieser Stelle großer Respekt ausgesprochen werden muss! Auch hier eine Bemerkung bzw. eine Kurzinfo am Rande, welchen vielen wahrscheinlich gar nicht bewusst ist: Die WHO (World Health Organization) hat bis 1992 Homosexualität noch als Krankheit in ihrem ICD-Katalog aufgeführt. Aber immerhin wurde dem Thema Beachtung geschenkt. In Georgien gibt es ja Homosexualität gar nicht… Genug hierzu. Was gibt es sonst noch zum Zwischenseminar zu erwähnen? Auf alle Fälle, dass sich das Vorbereitungsseminar stark an der Durchführung, Organisation und Themenwahl unserer beiden Teamer orientieren kann, welche das Seminar wirklich super gemacht haben.

Leider muss man sich wirklich eingestehen, dass Ankara eine nichtsehenswerte Stadt ist. Aber das ist auch kein Wunder. Die Stadt war ursprünglich für 350.000 Einwohner vorgesehen, momentan leben inoffiziell 7 Mio. Menschen dort –fast die doppelte Anzahl an in Georgien lebenden Georgier… Weiterhin gibt es kaum kulturelle Denkmäler, die das Stadtbild kennzeichnen. Wie denn auch? So ist die Stadt innerhalb von 80 Jahren exponentiell-explosiv gewachsen –da kommt keine Kultur der Welt hinterher mitzuwachsen. Überraschend war für mich auch der enorme westliche Standard der Innenstadt, welche nicht zu unterscheiden war von einer deutschen Stadt, zumal auch nur sehr wenige Frauen Kopftuch trugen, was mich ebenfalls verwunderte. Der einzige Unterschied zu Deutschland war der Muezzin-Gesang, welchen man auch nur am ersten Tag wirklich wahrgenommen hat. Was mir Ankara (und auch vermutlich an jeglicher anderen Stadt außerhalb Georgiens) sehr gefallen hat, war die Möglichkeit endlich mal wieder in eine schöne Kneipe und/ oder Bar zu gehen und dort einen Abend gemütlich trinkend zu verbringen. Das gibt es im schönen Tbilissi nämlich nicht wirklich, zumindest nicht so, wie man es eben noch aus Deutschland gewohnt ist. Und deshalb tat es mehr als gut im Kafka oder im Sakal genüsslich beisammen zu sein und den Abend zu genießen. Ansonsten muss ich mich leider über das türkische Essen etwas auslassen… aber meine Meinung hat nur eingeschränkte Aussagekraft, da hier ein Vegetarier spricht, welcher gerade zwei Wochen sehr fleischhaltige Nahrung erlebt hat, aber zum Glück selbst nicht konsumieren musste. So kam es durchaus vor, für das Bestellen von vegetarischem Essen ausgelacht oder mit groß wundernden Augen angeschaut zu werden… Natürlich habe ich das ein oder andere Mal fleischbeinhaltende Nahrung erhalten. Das war dann gar nicht so einfach, das Essen zurückzugeben und noch einmal zu erklären, dass man gerne ein Essen ohne Fleisch hätte. Dann kam es durchaus vor, den Kellnern zu erklären, wie man denn vegetarisches Essen zubereitet. So kam mehrmals die Frage auf, was denn in einen Yufka soll, wenn denn nicht Fleisch. Zusammenfassend lässt sich das deutsch-türkische Essen überhaupt rein gar nicht mit dem türkisch-türkisch Essen vergleichen. Aber was mir sehr zugesagt hatte, war die Vorhandenheit von „Susam“ (also Sesam), „Simet“ (Sesamringe) und Zucchini, von welchen ich direkt zwei Kilo nach Georgien mitgenommen habe. Auch der Käse war mehr als lecker, vor allem der Trabzon-Käse ist empfehlenswert! Weinblätter und Gewürze hab ich auch direkt in den Rucksack gepackt. Natürlich geht es (wie kann es auch anders sein) Sabrina mal wieder nur ums Essen, wenn sie unterwegs ist…

Nach 5 Tagen traumhaft warmen Wetter und einem gemütlichen Vorbereitungsseminar folgten noch zwei weitere Tage in Ankara, welche die Möglichkeit ließen, sich ein genaueres Stadtbild machen zu können. Und das war mehr als interessant! Insbesondere das Armenviertel auf dem Berg, was die Tage zuvor noch nicht so deutlich ersichtlich war, da wir daran nur in der Nacht vorbeigelaufen sind. Slums schmücken einen Berg, über welche mir erzählt wurde, dass die darauf stehenden „Häuser“ nicht entfernt werden dürfen aufgrund eines türkischen Brauchs: Ist ein Haus in der Nacht erbaut worden (und das wurden diese anscheinend), dürfen sie nicht abgerissen werden –unabhängig von ihrem Zustand. Deshalb sei es auch kein Wunder, dass türkische Städte sehr rasant in die Breite wachsen.

Von weiterem Interesse ist auch das Atatürk-Denkmal in Ankara. Dieses ist wirklich sehenswert und in seiner Präsenz sehr erschlagend. Ein solches Verehrungs- und Dankbarkeitsdenkmal ist in Deutschland gänzlich unbekannt und dementsprechend kaum nachvollziehbar. Dies kann aber auch daran gelegen haben, dass im Museum eine Kriegsstimmung künstlich erzeugt und die historischen Ereignisse sehr einseitig berichtet wurden…

So viel erst einmal dazu. Natürlich gibt es noch viel, viel mehr über die Eindrücke zu berichten. Aber nicht an dieser Stelle. Der Artikel ist jetzt schon wieder viel zu lange geworden… Wer es bis an diese Stelle geschafft hat zu lesen, dem sei auch an dieser Stelle herzlich von mir gratuliert und gedankt!

All das zu meinem persönlichen Eindruck von der Türkei. Einen tieferen, aufschlussreicheren Einblick in die türkische Kultur können wohl nur die anderen Freiwilligen von dort geben… Oder mein Ausflug nach Istanbul im Januar.

 

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Mike
    Dez 14, 2010 @ 10:57:25

    Na das klingt doch alles gar nicht so schlecht. Das Nahrung-aufnehmen-Problem ist ja bekannt 🙂
    Dann geniess mal deine zucchini…unser froh dass ihr nicht vor wenigen Tagen in Ankara wart bei dem schneechaos.
    Viel Spaß noch,
    Grüße aus dem (wieder einmal verschneiten) Frankfurt
    Mike

    Antwort

  2. Werner344
    Jun 21, 2011 @ 15:14:11

    Ein ganz toller Bericht und ich habe ihn wirklich bis zum Schluss gelesen ;-). Viele Grüße Werner

    Antwort

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