In der Weihnachtsbäckerei…

Eigentlich dachte ich, dass ich in meiner Zeit in Georgien nichts von Weihnachten mitbekommen würde. Schließlich habe ich mich bewusst dazu entschieden, dieses Jahr kein Weihnachten zu feiern und in Georgien zu bleiben (bzw. nach Aserbaidschan zu fahren). Und da in Georgien das orthodoxe Weihnachten nicht am 24.12. stattfindet und auch nicht auf diese Weise gefeiert wird, dachte ich, dass es alles andere als wahrscheinlich sei, ein vorweihnachtliches Freudegefühl zu erhalten. Da habe ich mich aber gewaltig geirrt. Nicht nur der Goodwilli neben an steht voll mit irgendwelchen klitzernden Weihnachtsartikeln, die kein Mensch braucht, auch die Neujahrsbeleuchtung erinnert stark an das alljährliche amerikanische Welt-Weihnachts-Wettschmücken. Doch nicht nur in den Geschäften und auf der Straße wird man an das Jahreshöhepunkt-Fest erinnert, auch in der Schule lässt sich der heilige Festakt nicht vermeiden. Deshalb hatte ich die vergangenen zwei Wochen auch jede Menge zu tun. Kurzzusammenfassung: So viel habe ich noch nie in meinem Leben gebastelt. Mir schmerzen jetzt noch die Finger. Auch dachte ich nicht, dass ich die Premiere meines Lebens feiern würde 1., eigenständig und 2. in Georgien Plätzchenteig selbst zu machen. Und dann gab es auch zum ersten Mal hand- and selfmade-Kinderpunschi. Was man nicht alles für Qualitäten in einem FSJ entdecken kann… Aber das wichtigste ist doch, dass es den Kindern von klein (2. Klasse) bis groß (12. Klasse) unheimlich viel Spaß gemacht hat zu basteln und zu backen. Das Resultat war am Ende ein Zimmer voll Sternkörbchen, Christbaumschmuck, Engelchen, Weihnachtskerzen und anderen schönen Basteleien. Damit auch das Backen nicht schief gehen kann, habe ich zuvor in zwei Spät-Abendaktionen selbst ausprobiert Plätzchen zu machen. Und das hat erstaunlicherweise gut geklappt, sogar mit einem nicht ganz funktionsfähigen Gasbackofen. Wieso nicht ganz funktionsfähig? Na ja, der Ofen bleibt von alleine nicht an. Was das heißt? Genau. Man darf das Knöpfchen die ganze Backzeit über selbst drücken. Dementsprechend oft ist der Ofen ausgegangen und durfte immer wieder aufs Neue angezündet werden. Die Streichholzfabrikanten waren uns für diesen Backversuch mehr als dankbar –ein äußerst lukratives Geschäft. Das Resultat? Muskelkater im Daumen und ein Blech verbrannter Weihnachtsplätzchen. Aber nach genügend Übung hat man irgendwann herausgefunden, dass die Hitze trotz nicht ganz funktionsfähigem Knöpfchen reguliert werden kann und man hier und da die Plätze der Plätzchen auf dem Backblech tauschen muss, damit jedes gleich viel Hitze abbekommt –Chancengleichheit für alle. Dass der erste Rundgang nicht so einwandfrei verlief, war auch gar nicht schlimm: So hatte ich u.a. bei der ersten Runde das Backpulver vergessen… Nach einem solch turbulenten Start konnten die nächsten Plätzchenversuche ja nur noch besser werden 😉 Und das wurden sie auch. Vor allem das Backen in der Schule lief super. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Helferinnen aus dem Büffeti und an die netten Bäckerinnen aus dem Büdchen vor der Schule! Ohne die Unterstützung dieser netten Damen wäre das Backen nicht so einfach möglich gewesen und die Kinder hätten an der Adventsfeier keinen traditionellen Weihnachtsgaumenschmaus genießen können.

Aber nicht nur die Bastelei und die Backerei waren in den vergangenen zwei Wochen los. Daneben gab es noch einen weihnachtlichen Empfang des deutschen Botschafters in seinem privaten Heim, eine kunterbunte Adventsfeier in der Schule, Sprachkursi, Sprachdiplom-Prüfungen der 12.Klässler und natürlich alles private, was man darum herum erlebt hat. Hierzu gehört auch das internationale Filmfestspiel, was in Tbilissi stattgefunden hat. Dies hat uns ermöglicht, nach drei langen Monaten wieder einen deutschen Kinofilm zu sehen. Und auch das war alles andere als normal: In dem Film „Die Fremde“ (àein mehr als empfehlenswerter Film!) gab es deutsch- und türkischsprachige Szenen –je nachdem, welcher Schauspieler gerade in der Szene zu sehen war. Zusätzlich gab es georgische und englische Untertitel. Vier Sprachen in einem Film und von jeder mehr oder weniger zu verstehen, war eine sehr interessante Erfahrung. So viel es mir des Öfteren schwer auf die deutsche Sprache umzuschalten, da ich mich schon so auf die anderen drei Sprachen konzentriert hatte. Eine schöne Erfahrung bei einem Film, der das Wort „Drama“ begründet hat. Bitte anschauen, aber danach nichts mehr vornehmen…

Da so viel in den vergangen zwei Wochen los war, kam es (logischerweise) auch zu einem viel zu späten Kümmern um ein Visum für Aserbaidschan. Doch zum Glück ist Tbilissi klein und man kennt sich und es wird schnell etwas für einen geregelt. Und damit können wir über Weihnachten (-ein Glück!) nach Baku im schönen Aserbaidschan fahren und mal einen etwas anderen Weihnachtsabend genießen. Das ist auch notwendig, wenn die Hälfte der Leute ins verschneite Deutschland zurückgereist ist, wobei ich gegen ein wenig Schnee und nicht immer nur blauem, sonnenbestrahltem Himmel nichts einzuwenden hätte 😉

Nach ein paar letzten Schultagen ist nun der Freiwilligendienst im alten Jahr 2010 zu Ende. Was ich an dieser Stelle sagen kann und muss: Die Arbeitsstelle ist super, insbesondere die Kolleginnen, die Schüler und die sehr angenehme Atmosphäre in der Schule. Ich kann nur jedem empfehlen, eine solche Möglichkeit zu nutzen und unbedingt einen Freiwilligendienst im Ausland zu leisten!

Auch wenn dieser nicht immer nur positive Aspekte mit sich bringt… Dies liegt jedoch nicht am Dienst, sondern am eigenen Auge für die Umwelt. So waren Lena und ich gestern in dem einzigen Hundeheim Tbilissis. Wir waren zwar beide positiv darüber überrascht, dass ein solches überhaupt existiert, aber der Umgang des Menschen mit seinem „besten Freund“ ist schon mehr als grausam. In Georgien (wie auch in vielen anderen Ländern) werden sich gerne teure Rassehunde gekauft, als Prestigeobjekt missbraucht und am Ende netterweise ausgesetzt oder abgeschoben. Dies wird wohl auch nach Weihnachten in vielen Ländern wieder der Fall sein. Das traurige ist in Tbilissi, dass das Hundeheim keinerlei finanzielle Schwierigkeiten oder zu wenige freiwillige Helfer hat. Im Gegenteil. Das Problem hier ist: Die Regierung duldet das Hundeheim nicht. Und deshalb wird es in einem Monat geschlossen. Was kann gemacht werden? Vermitteln, vermitteln, vermitteln. Die Hunde brauchen ein neues zu Hause. Zumindest die Hälfte davon. Um die andere Hälfte, die vermutlich keiner haben möchte, da diese zu alt oder zu krank sind, kann weiter von den Tierheimhaltern versorgt werden. Würde ich nicht nur ein Jahr hier sein, hätte ich wohl gestern einen kleinen, großen georgischen Bär mitgenommen und ihm ein kleines Weihnachtswunder beschert…

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