Osterausflug: Sugdidi und Mestia

21. – 25. April 2011

Da wir kurzfristig an der Schule ein paar Tage mehr als nur die Oster-Feiertage freibekommen haben, konnte endlich wieder ein längerer Ausflug gestartet werden. Zwar ist momentan nicht die beste Reisezeit in Georgien, da es im Westen Georgiens noch stark regnet und es in den Bergen noch sehr kalt ist, aber darüber wird hinweggesehen, um das Land weiter erkunden zu können. Und da momentan viel Werbung für Mestia, der Hauptstadt Swanetiens, gemacht wird, sollte diese beindruckende und vielversprechende Stadt in den Bergen das Reiseziel sein. Um dort überhaupt hinzukommen, braucht man jedoch etwas länger –es sei denn man nimmt den bequemen und teuren Weg und gönnt sich einen Flug dorthin. So sollte es für uns jedoch nicht sein.

Da allerdings der Nachtzug nach Sugdidi, der Zwischenstation zu Mestia, seit Tagen ausgebucht war, ging es dementsprechend freitags früh Morgens in strömenden Regen zum Hauptbahnhof, um dort auf eine Marschrutka oder einen Bus zu hoffen. Das war gar nicht so einfach, denn im Gegensatz zu normalen Arbeitstagen war Tbilisi bzw. waren die Tbilisaner plötzlich früh wach und bereit in ihre Dörfer zu fahren. Leider fuhr uns deswegen ein Bus und eine Marschrutka nach der anderen vor der Nase weg –nur eben leider ohne uns. Doch nach einer einstündigen Wartezeit im strömenden Regen und bereits jetzt völlig durchnässter Kleidung, da diese leider alles andere als wettertauglich ist, hatten wir doch endlich einen Platz im Bus ergattert und die Reise konnte losgehen. Im Bus sollte diese zwar zwei Stunden länger dauern als in der Marschrutka, aber dies war zum Glück nicht der Fall.

Früher als gedacht in Sugdidi angekommen, ging es erstmal auf Übernachtungssuche. Ohne jeglichen Plan haben uns die Georgier an irgendein Hotel geschickt, was sogar einen ganz guten Eindruck machte und preiswerter war als gedacht. Dadurch konnte sofort die Hauptstadt der Region Mingrelien (Samegrelo) erkundet werden. Zwar war es bewölkt, aber das Wetter hat gehalten und ein Rundgang war ohne Probleme möglich. Und was es alles zu sehen gab? Einen Dadiani-Palast mit einem daran angrenzenden, schönen Garten, einen Ausblick auf die noch ferngelegenen weiß bedeckten Bergen, natürlich einen Basari mit jedemenger Paska (=georgischer Osterkuchen), gefärbte Eier in allen erdenklichen Rottönen, einen ersten (nur leider gefacten) Wehrturm, Palmen und blühende Bäume, wo das Auge nur hinsah sowie das EUMM-Headquarter. Leider war das Museum, in welchem eine goldene Maske Napoleons und weitere seiner Besitztümer zu bestaunen sind, aufgrund von Karfreitag geschlossen. Und zum Abschluss ging es am Abend noch in ein nach einem sehr schmackhaften Wein benanntes Restaurant, nämlich dem „Teliani Valley“. In dieser rustikalen Lokalität gab es (wie kann es auch anders sein) sehr delikate, georgische Küche mit äußerst interessanten neuen Verköstigungen. So gab es unter anderem mit Nuss gefüllte Paprika, eine Walnusssoße und Sulguni-Käse eingelegt in einer Minz-Joghurt-Soße. Hmmhh, da freut sich aber mein Bäuchlein 😉 Auch der auf dem Basari gekaufte megrelische Käse und Paska waren ein wahrer Gaumenschmauss!

Früh am nächsten Morgen ging es (leider erneut in strömenden Regen) mit der Marschrutka weiter nach Mestia. Diese war proppenvoll und das im wahrsten Sinne des Wortes. Und das diesmal nicht, weil wieder mehr Menschen als vorhandene Plätze reingequetscht wurden, nein, diesmal lag es an den vielen Mitbringseln für die Mestianer. Die Essenslieferung scheint wohl ausschließlich über die Marschrutken zu erfolgen und dementsprechend war Essen gestapelt, was das Zeug hielt. Etwas eingeengt konnte nun also die Reise beginnen –voraussichtlich eine vierstündige Fahrt. Gewarnt wurde man vor dieser nicht nur aus dem Reiseführer. Sehr holprig und anstrengend soll der Weg sein, da es keine fertiggebauten Straßen gäbe. Nun ja, davon konnten wir uns nun selbst überzeugen. Neben einem unglaublich faszinierenden und beeindruckenden Ausblick war die Fahrt von einigen kleineren Highlights unterbrochen worden. So zum Beispiel von einer fast einstündigen Essenspause nach einer gerademal anderthalbstündigen Fahrt, von sehr holprigen Wegen, die im Regen zu einer einzigen Rutschpartie wurden. Ohne Straßenabgrenzung oder jeglicher Sicherheit, dafür mit extrem steilen und tiefen Abhängen wurde geslidet, was das Zeug hielt. Aufgrunddessen blieb mein Herz nicht nur einmal stehen, circa 10 Tode bin ich gestorben, indem ich uns schon den Abhang hinunterkullern sah. Der Fahrer hatte sichtlich seinen Spaß an der Fahrt und keinerlei Angst –das professionelle Sliden fest in den Fahrstil integriert. Holterdipolter wurden wir nach bereits vierstündiger Fahrt in ein anderes, standfesteres Auto umgeladen. Sehr beruhigend… Dort nun wirklich eingequetscht, da nun weniger als die Hälfte des Marschrutka-Platzes, dafür jedoch diegleiche Anzahl an Passagieren vorhanden war. Hierin ging es weiter, das Ziel nur noch wenige Kilometer entfernt. Doch es kam wie es kommen musste: Mitten auf dem Weg stand (typisch Georgien…) ein LKW mit circa 8 georgischen „Arbeitern“, die gemütlich daneben im Regen chillten und eine Zigarette nach der anderen rauchten. Ihre eigentliche Arbeit hätte darin bestanden den LKW mit Steinen zu beladen. Und das mussten sie nun auch. Vorher wollten sie uns nicht den Weg freiräumen. Also sahen wir genüsslich zu, wie sie einen Stein nach dem anderen auf den LKW packten. Als sie endlich ihr Ziel erreicht haben und der LKW vollbeladen war, sprung dieser jedoch nicht mehr an. Und so ging es weiter wie es weitergehen musste: Mittlerweile 10 Georgier (unser Autofahrer und ein weiterer Passagier) kamen zur Hilfe und gaben ihr bestes

das Geschoss zu reparieren. Das nahm nun leider jedoch volle zwei Stunden in Anspruch! In dieser Zeit hat sich bereits eine riesige Schlange an Marschrutkas und Autos hinter uns sowie vor dem LKW gebildet. Jeder wollte durch, doch das war erst nach erheblicher Dauer und dem Anschieben des LKWs möglich. Letztendlich hat die Fahrt nach Mestia 7 Stunden beansprucht!

Völlig erschöpft dort angekommen, ging es direkt in unser Guest House von Nino Ratiani. (Kleine Anmerkung am Rande: In Swanetien enden die Nachnamen in der Regel auf „-iani“.) Nach kurzer Hausführung und Zimmereinweisung wurden wir direkt mit einem mehr als voll gedecktem Tisch mit jeder Menge georgischer Köstlichkeiten gestärkt. So stand einem ersten Rundgang nichts im Wege. Im abendlichen Licht mit dicken grauen Nebelwolken und trüber Aura war Mestia in eine märchenhafte Stimmung gezaubert worden und machte damit einen ersten guten Eindruck. Beim Herumlaufen trafen wir auf einen netten Swaneten, der uns erstmal zu sich einlud und uns seinen Wehrturm zeigte. Zwar konnte ich diesen aufgrund meiner kleinen Größe nicht erklimmen, aber das anschließende Zusammensitzen bei seiner Familie und das Verkosten von selbstgemachten Schnaps war ja auch nicht gerade schlecht.

Zwar sollten wir nur drei Tage dort sein, dennoch ließen wir uns das gemütliche Ausschlafen am nächsten Tag nicht nehmen –im Gegensatz zu den anderen deutschen Reisenden, die in aller Frühe ihr Touriprogramm bereits begonnen hatten 😉 Vielleicht lag das Spätaufstehen auch einfach nur daran, dass wir überhaupt keinen Plan hatten, was wir denn machen sollten. Deshalb ließen wir uns einen Tipp von Nino geben, welche uns einen Fußmarsch zum Gletscher empfohl. Na ja, wieso auch nicht. Dick eingepackt ging der Marsch los. An einer georgischen Bäckerei von einem Hund abgefangen, hat uns dieser eine ganz schöne Weile auf Trapp gehalten. Denn der Vierbeiner hat es zwar nur gut mit uns gemeint und uns seinen außerordentlichen Schutz angeboten, aber dieser äußerte sich nun leider in einem Angriff eines Bullen, der ihm erstmal die Hörner in die Rippen gerammt hat (-aber nein, es ist ihm nichts passiert-) und des Weiteren in einem fast überfahren werden von einem Auto, welches er ebenfalls angegriffen hat. Nach zwei fast Herzinfarkten wurden wir ein Stück mit dem Auto Richtung Miniflughafen und damit Richtung Gletscher mitgenommen und konnten dadurch den Hund abhängen. Man glaubt es kaum, aber in diesem Falle war ich auch wirklich dankbar dafür. Doch dann hing bereits der nächste Hundi an uns. Dieser war sehr schüchtern und ist heimlich hinter uns hergelaufen. Irgendwann haben wir ihm Brot gegeben und ihn gestreichelt und damit sein Vertrauen gewonnen. Der Liebe hat uns doch tatsächlich über mehrere Stunden Fußweg treu begleitet. In (mal wieder) strömendem Regen liefen, liefen und liefen wir und kamen dem Gletscher kein Stück näher. Doch wie es das Schicksal nicht anders wollte, kreuzte unser Weg eine Straße, die von einem neu entstanden Flußarm vom Schmelzen des Schnees durchquert wurde. Leider war dieser auch nicht überwindbar. Zwar hat mein Reisebegleiter sein bestes gegeben, um mir eine aus Ästen, Steinen und herumliegenden Holzbrettern bestehende Brücke zu bauen, dies endete jedoch in einem Reinfall –im wahrsten Sinne des Wortes, denn danach war er ordentlich nass. Und damit ging der Weg für uns auch schon wieder zurück. Doch wir sind ja hart im Nehmen –ein kurzes Umziehen hat gereicht, um weiter auf Erkundschaft zu gehen. Wir sind zwar bis dahin schon gute vier Stunden herumgelaufen, aber das sollte noch nicht alles gewesen sein. Ich hatte zwar stark angenommen, dass man an Ostersonntag wohl auf keinerlei Menschen treffen würde, aber hierin habe ich mich gründlich geirrt. Als wir uns zum swanetischen Museum von Larissa Magriani aufgemacht haben, trafen wir dort auf eine russische Touristin, mit welcher wir uns auf Englisch unterhalten konnten und mit welcher wir gemeinsam zum Museum gingen. Nur leider wurden wir dort nicht von Larissa empfangen, sondern von ihrem Sohn und seinen Freunden abgefangen und zu einer Mini-Ostersupra eingeladen. Das war natürlich äußerst amüsant –vor allem die im Anschluss daran stattgefundene Museumsführung und das Wehrturmerklingen. Zu ersterem lässt sich mal wieder ein kleiner georgsicher Zufall berichten: Vor einiger Zeit hatten wir uns eine Dokumentation über Georgien angeschaut, in welcher es primär um swanetischen Gesang ging. In dieser Doku war ein alter swanetischer Herr gezeigt worden, welcher von Tbilisern aufgesucht wurde, um diesen seine Gesangskunst weiterzugeben. Unterhalten haben sich die Gäste und der Herr in einem sehr interessant wirkenden Raum. Und genau in diesem Raum befanden wir uns nun! (Einen guten Eindruck erhält man wohl über meine Bilderchen. Beschreiben lässt sich das nur schwer…)

Am Abend saßen wir dann mit Israelis zusammen, welche ebenfalls für ein paar Wochen Georgein erkundigen wollten. Die beiden waren an dem Tag am Gletscher und haben uns berichtet, dass sie dafür den ganzen Tag gebraucht haben –also hätten wir es sowieso nicht geschafft. Doch Nino hätte uns das ja ebenfalls mitteilen können… Wie dem auch sei. Da wir nicht wussten, ob wir am nächsten Tag nach Tbilisi fliegen können (-der Flug ist vom Wetter abhängig und die Tage zuvor schon ausgefallen und noch einmal eine solch turbulente Marschrutka-Fahrt hätte ich wohl nicht mehr überstanden-), wollten wir am nächsten Tag eine Jeeptour ins nahegelegene Ushguli machen.

Jedoch hatten wir jede Menge Glück und am nächsten Morgen schien doch tatsächlich die Sonne! Strahlend blauer Himmel und einen unglaublich faszinierenden und beeindruckenden Ausblick! Aber davon könnt ihr euch am besten selbst überzeugen, indem ihr die ausgewählten 83 von circa 800 Bildern bestaunt! Jedenfalls konnten wir noch einen wirklich tollen Rundgang machen mit dem Genuss wunderschöner Ausblicken. Zwar waren die restlichen interessanten Museen an diesem Tag -es war ja bereits Ostermontag- geschlossen, aber darüber ließ sich nun wirklich leicht hinwegsehen. Und der Flug sollte an diesem Tag nun auch stattfinden. Wie das Flugzeug, das uns nach Tbilisi nehmen sollte, bereits in Mestia ankam, hatten wir ebenfalls gesehen und sind tatsächlich auf eine uns bekannte Freiwillige getroffen, die aus diesem ausstieg. So konnten wir zum Abschluss mit ihr und ihrem Reisebegleiter noch georgisch essen gehen, um im Anschluss daran in dem gleichen Flieger den Kurzurlaub (leider!) zu beenden. Und der Rückflug war nun wirklich ein sehr intensives Erlebnis: Mit einer minikleinen Maschine mit einer handvoll Passagieren, zwei alle Klischees erfüllenden Piloten, einem Geruckel und Gewackel sowie einer äußerst lauten Geräuschkulisse ging es zurück. Hier und da sah ich uns schon über dem großen Kaukasus abstürzen, da mir ein solches Fluggefühl bisdahin völlig unbekannt war. Aber natürlich ging es alles trotz des Durchquerens einiger Regenwolken gut. Und der Ausblick war ein wahlicher Genuss! Hierdurch wurde einem noch mehr die unglaubliche Schönheit unserer Erde bewusst und vor allem die Bedeutung unberührter und unversehrter Natur. Davon muss es einfach noch viel mehr geben!

Södali und nun seit ihr am Ende meines Miniromanes angelangt. Congratulations an diejenigen, die bis dahin tapfer durchgehalten haben 😉

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