Minikurzausflug Kvareli

30. April 2011

Dach sich allmählich unsere Zeit in Georgien dem Ende neigt, habe ich mir fest vorgenommen mindestens jedes zweite Wochenende einen Ausflug zu machen –sei es auch nur ein Minikurzausflug für wenige Stunden. So ging es am vergangenen Samstag nach Kvareli, einer kleinen Stadt in Kachetien, der georgischen Weinregion. Da dies kein typisches Tourismusreiseziel ist, muss man zuerst mit der Marschrutka nach Telavi um von dort aus nach Kvareli weiterfahren zu können. Leider hat der Weg nach Telavi bereits zwei Stunden gedauert, also eine halbe Stunde mehr als normal. Die Marschrutka nach Kvareli sollte dann ebenfalls erst 45 Minuten später losfahren. Man sieht: Obwohl die kleine Stadt nicht weit von Tbilisi entfernt liegt, braucht man wirklich lange dort hin.

Mit strahlend blauem Himmel losgefahren, wölkte sich das Wetter in Kvareli schon langsam wieder zu, was natürlich nicht so prickeld war. Nichtsdestotrotz ging es zunächst in das Ilia Chavchavadse Museum. Für mich war das ein absolutes Muss, zumal ich ja in Tbilisi in der Ilia-Chavchavadse-Straße wohne. Ohne die Möglichkeit einer deutsch- oder englischsprachigen Führung war der Museumsgang zwar nicht so spannend, dafür konnte man noch das gut erhaltene Geburtshaus samt Garten und eigenem Wehrturm betrachten.

Von dort aus sollte es zunächst in das nahegelegene Touri-Center gehen –diese werden gerade in fast allen georgischen Städten eingeführt und grenzen sich immer durch sehr moderne Neubauten vom Rest der eher älteren historischen Städten ab. Dafür sprechen die Damen im Touri-Center meist Englisch, diesmal sogar fließend Deutsch, was natürlich ein großer Vorteil für uns war. Nur leider teilte uns die Dame mit, dass die letzte Marschrukta schon wieder in zwei Stunden zurückfahren würde –und das nach fast drei Stunden bis wir überhaupt in Kvareli ankamen!

In unserer restlich verbliebenen Zeit ging es in die Weinkelterei Kindzmarauli (für mich als Pfälzerin sehr spannend!). Wie bereits erwähnt ist Kachetien die Weinregion Georgiens, für welcher sogar spezielle Weintouren angeboten werden. Da Kindzmarauli mein absoluter Markenfavorit darstellt, war ich schon mehr als zufrieden mir die Kelterei anzuschauen. Und zu unserem Glück gab es dort einen jungen Mann, der dort arbeitet, fließend Deutsch spricht und uns eine kostenlose Führung gab. Natürlich habe ich sofort gemerkt, wo er denn so gut Deutsch gelernt hat –natürlich in der Toskana Deutschlands, nämlich im schönen Neustadt an der Weinstraße in der wunderbaren Pfalz! Dort hat er nämlich Önologie studiert und scheinbar mit viel Erfolg. So ist er nun Kellermeister in der Kindzamarauli AG, welche gerade ganz schön aus- und umbaut, um auch touristisch attraktiv zu sein. Gelernt haben wir auch so einiges auf der Führung. Denn man glaubt es kaum, ich als Pfälzerin war doch tatsächlich zum ersten Mal in einer Weinkelterei. Und da gab es einiges zu bestaunen: Gigantische Weinfässer, die von 5.000 bis 60.000 Liter Wein beherbergen sowie Lagerhallen mit Millionen Litern Wein. Wir haben alles von Anfang bis zum Ende erklärt bekommen: Wie die Weintrauben gebracht und klein gemacht werden, wie die Filterung erfolgt, wie die Gährung betrieben wird, wie der fertige Wein weiterwandert, wie der Wein in die Flaschen kommt und zuguterletzt wie diese etikettiert werden. Im Anschluss gab es netterweise noch eine Weinverköstigung, in welcher wir nun auch die wahre Probe eines Weines gelernt haben. Da wir allem in allem sehr zufrieden waren, haben wir noch drei Weine (natürlich nur rot und semi-sweet) gekauft und das für schlappe 40 GEL. Denn wie wir festgestellt haben, sind uns bereits bekannte Weinflaschen, die dort hergestellt werden in Tbilisiweitaus teurer. Es lohnt sich also durchaus dort hinzufahren und eine größere Portion einzukaufen.

Leider war die Zeit so kurz, dass wir nicht mehr in dem Restaurant der Kelterei essen und auch nicht mehr zum nahe gelegenen Traumsee fahren konnten. Aber es bleiben ja noch einige Wochenenden und dann können wir beruhigt noch einmal dort hinfahren. 🙂

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Georg
    Sep 14, 2013 @ 16:34:01

    Sehr nützlicher Beitrag. Ich war im Sommer selber in Kachetien und in der Weinfabrik Kindsmarauli, habe mir aber außer ein paar Daten der Weinproduktion praktisch nichts über diesen Ausflug notiert. Jetzt weiß ich wenigstens, dass das in Kvareli war.
    Dass der Kellermeister sein Handwerk (und auch die Sprache) in Deutschland gelernt hat, hatte ich schon vermutet. Was mir hiermit bestätigt wurde.
    Interessant fand ich vor allem die georgische Art der Weinherstellung, bei der nicht der Most, sondern die Maische vergoren wird. Dazu werden die Trauben in im Boden vergrabene Amphoren gefüllt und diese danach versiegelt. Nach ein paar Monaten werden die Amphoren wieder geöffnet. Die Trauben oder was davon noch übrig ist haben sich in dieser Zeit am Boden abgesetzt und oben ist der klare Wein, der ohne weitere Behandlung – Filtrierung, Konservierung – in Flaschen abgefüllt wird. Und stabiler sei als der ‚modern‘ hergestellte und behandelte Wein. Das funktioniert nur mit weißen Trauben und ergibt einen sowohl in Farbe als auch Geschmack einzigartigen Wein. Von den 20 Mio. Flaschen, die die Fabrik im Jahr produziert werden nur 20000 auf diese Art hergestellt. Das schöne ist, dass die als Promotionsweine für günstige 3 – 4 Euro verkauft werden. Schade, dass man in einem Rucksack nur eine begrenzte Menge transportieren kann.

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