Allmählich geht`s dem Ende zu… doch noch immer passiert jede Menge!

Mai 2011

Jetzt sind es noch gerade zweieinhalb Wochen Schule und dann ist mein Freiwilligendienst an der 195. Öffentlichen Schule auch schon wieder zu Ende. So schnell kann die Zeit vergehen! Doch ganz vorbei wird es erst am 10. Juli sein. Denn in der ersten Juliwoche werde ich noch an der Deutschen Internationalen Schule Tbilissi im Kindergarten arbeiten. Das kann ja was werden. Zwar habe ich mich schon super daran gewöhnt, auch mit den Kleinsten in unserer Schule in Körpersprache und auf etwas Georgisch zu kommunizieren, aber das wird im Kindergarten doch noch etwas anders werden. Doch für Unterhaltung wird gesorgt sein: Es wird gespielt und (wie kann es anders sein) jede Menge gebastelt. 🙂

In den vergangenen Wochen war auch hier an unserer Schule jede Menge los. Unter anderem gab es die „Deutschen Tage Tiflis“, in welcher jede Menge deutsch-georgische Veranstaltungen angeboten wurden. Für mich von besonderem Interesse war in dieser Zeit der Bolosari an unserer Schule, die DSD-Verleihung und der Vorlesewettbewerb der PASCH-Schulen Georgiens.

 

Montag, 16.05.2011 – Bolosari und Siegerehrung Fotomarathon

Am Montag war es endlich soweit. Die 12. Klasse feierte ihren letzten Tag an unserer Schule. In der fünften Stunde ging es los: Die Klasse 12a führte in der Aula ihre fleißig eingeprobten Lieder und Tänze auf. Sie sangen, sie tanzten, sie zeigten ihre Gefühle und Gedanken über die vergangenen zwölf Jahre an ihrer Schule. Mit einer kurzen Pause folgte die Klasse 12b, welche ebenfalls viel tanzte und sang. Beide Klassen wirkten wie junge professionelle Sänger und Tänzer, welche sehr viel Beifall von dem großen Publikum erhielten und sichtlich sehr viel Spaß an ihren Vorführungen hatten. Die Veranstaltung erinnerte mich an eine Art Mischung von Abistreich und Abiball. Ein Streich war es zwar nicht in dem Sinn, wie wir es in Deutschland kennen, aber auch hier tragen alle Abiturienten ein T-Shirt, auf welchem fleißig unterschrieben und beglückwünscht werden kann. Nur wird das noch vor den Abiprüfungen gemacht –man sieht: Die georgischen Schüler sind sehr zuverlässig, dass sie die Prüfungen alle bestehen. Das würde sich bei uns kaum einer trauen… Und Abiball war es in dem Sinn, dass jede Menge vorgeführt wurde. Das war zwar keine abendliche Veranstaltung, an welcher schicke Kleider getragen wurden und die Eltern anwesend waren, dennoch erfolgten jede Menge Vorführungen und ein Abschied von der Schule.

Direkt nach dem Bolosari ging es ins Goethe Institut Georgiens, in welchem die Ausstellung des Fotomarathons eröffnet wurde.  Dort gab es die Fotoserien aller Teilnehmer zu bestaunen. Weiterhin wurden unter Anwesenheit von einem Fernsehteam die besten vier Plätze mit Preisen gekürt, wovon den dritten und vierten Platz deutsche Freiwillige einnahmen. Die Bilder könnt ihr auch unter folgendem Link anschauen: www.facebook.com/FotomarathonTbilisi und http://sv-dhs.de/index.php?article_id=44&clang=1

 

Mittwoch, 18.05.2011 – DSD-Verleihung

Die 16 Schüler, welche in der 195. Öffentlichen Schule die DSD-II-Prüfung gemacht und bestanden haben, bekamen am Mittwoch im Jugendpalast Tbilisi feierlich ihr Diplom überreicht. Um 11 Uhr war es soweit, die georgischen Sprach-Diplomanten, ihre Lehrer und Betreuer, Eltern und Freunde versammelten sich im Festsaal. Zu Gast waren weiterhin die stellvertretende georgische Bildungsministerin Frau Irine Kurdadse und der deutsche Botschafter Herr Ortwin Hennig. Neben Frau Kerstin Scheffler, der Fachberaterin und Koordinatorin der deutschen Zentralstelle für das Auslandsschulwesen hielten auch die Bildungsministerin und der Botschafter eine Rede, in welchen sie den Sprachdiplomanten herzlich gratulierten. In der einstündigen Feierlichkeit, die im Rahmen der „Deutschen Tage Tiflis“ stattfand, waren auch viele Kamerateams und Fotografen da, die das Event filmten und für die Ewigkeit festhielten. So auch die Gesangs- und Klaviereinlagen sowie die feierliche Verleihung des Diploms an die 83 GeorgierInnen, die in den vergangen 11 Jahren fleißig Deutsch lernten und nun die Möglichkeit haben, sich für ein deutsches Studium zu bewerben. Auch nochmal an dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch und alles Gute! 

http://mes.gov.ge/content.php?id=2298&lang=eng

www.rustavi2.com

Facebook-Gruppe „Sprachdiplom“ http://www.facebook.com/pages/Sprachdiplom/412319864967

 

Mittwoch, 18.05.2011 – Vorlesewettbewerb der PASCH-Schulen

Weiterhin fand im Rahmen der „Deutschen Tage Tiflis“ ein Vorlesewettbewerb an unserer Schule statt. Wie bereits im vergangenen Jahr waren auch dieses Jahr alle PASCH-Schulen herzlich an der Teilnahme eingeladen. So fanden sich aus allen PASCH-Schulen TeilnehmerInnen aus den 5. und 6. Klassen zusammen, die nun die Möglichkeit hatten ihr Lesetalent zu beweisen. Das hatten sie bereits in der Vorauswahl ihrer Schulen getan und konnten dies am Mittwoch noch einmal vor den Gästen und der Jury machen. Diese bestand aus drei Personen: Herr André Betz, der Leiter der Deutschen Internationalen Schule Tbilissi, Frau Sesili Bochoidse, DSD-Alumna und Journalistin, sowie Herr Thomas Gödel, dem Sprachabteilungsleiter des Goethe-Instituts Georgiens. Die Schüler lasen in der ersten Runde zuerst ihre vorbereiteten Texte drei Minuten lang vor, in der zweiten Runde zwei bis drei Minuten einen unbekannten Text. Die Wahl der besten drei Schüler fiel der Jury wirklich nicht leicht. Alle SchülerInnen lasen für ihr Alter sehr, sehr gut. Deshalb waren am Ende alle SiegerInnen! Für die Teilnahme und für die Plätze gab es für jeden SchülerIn eine Urkunde und schöne Geschenke. Herzlichen Glückwunsch an Alle!

Freitag, 20. Mai 2011 – DACHL-Wettbewerb: Wir haben gewonnen!

Eine freudige Nachricht erreichte mich am Ende dieser Woche, als mir mitgeteilt wurde, dass ich beim DACHL-Osterwettbewerb gewonnen habe. Dort habe ich mit meinem Bastel- und Lehrkonzept mit den Klassen 2 bis 6 sowie der 10. Klasse gewonnen. Für die Schüler gab es als Preis Blöcke, Kulis und Aufkleber, worüber sie sich sehr gefreut haben. So macht Deutsch lernen noch mehr Spaß 😉

Samstag, 21. Mai 2011 – Demonstrationen in Tbilissi

Weniger freudig war die Nachricht, dass sich die Opposition am Samstag zusammengefunden hatte, um gegen den georgischen Präsidenten und seinen Regierungsstil zu demonstrieren. Darin bestand an sich noch keine Schwierigkeit. Doch meine Sprachlehrerin hat mir bereits am vorigen Tag mitgeteilt, dass diese Demonstration bis zum 26. Mai (dem Unabhängigkeitstag Georgiens) andauern und womöglich auch radikal werden soll. Zwar hatte ich selbst kaum etwas bis gar nichts davon mitbekommen, aber bereits am Sonntag erhielten mich die ersten Sorgenanrufe aus Deutschland. In den deutschen Nachrichten wurden die Demonstrationen jedoch völlig dramatisiert –dachte ich jedenfalls. Am Montag sah das Stimmungsbild in der Schule nämlich ebenfalls ganz anders aus: Der Cousin einer Lehrerin wurde aufgrund seiner oppossitionellen Meinung verhaftet, das Auto des Ehemanns einer anderen Lehrerin wurde von Regierungsbefürwortern weggenommen und noch vieles mehr. Angekündigt wurden eine radikale Aktion am Mittwoch sowie das Stoppen der feierlichen Militärparade am Unabhängigkeitstag. Die Hauptdemonstrationen fanden unweit von meiner Schule statt, nämlich vor dem Sitz eines wichtigen Nachrichtensenders. Da ich jedoch durch einen Park zur Schule laufe, habe ich selbst diese Demonstrationen nicht mitbekommen. Inzwischen waren 43 Personen aufgrund ihrer Meinung oder aufgrund von angehängten Verstößen (z.B. das Mitführen einer Waffe, was aber eine Lüge von seitens der Polizei darstellte) verhaftet worden. Mittwochnacht kam es dann schließlich zu ernsten Ausschreitungen zwischen den Demonstranten und der Polizei. Erstgenannte waren am Mittwoch vor das Parlament gezogen und hatten die Erlaubnis der friedlichen Demonstration bis um Mitternacht. Als sie dann nicht pünktlich vom Platz wichen, wurden sie von der Polizei und einem Art Sondereinsatzkommando (welche hier „Robocops“ genannt werden, da die Polizisten nur noch wie Roboter handeln) eingekesselt. Die Demonstranten konnten nicht entweichen, die Ausschreitungen begannen und die Polizisten setzten neben Tränengas und Knüppeln auch Wasserwerfer ein. Anwesende Journalisten wurden entweder zu Boden geprügelt oder vom Ort des Geschehens weggebracht, sodass die Aufnahmen, die die Welt erreichten, fast schon an ein Wunder grenzten. Neben vielen verwundeten Demonstranten starben in dieser Nacht zwei Polizisten, welche angeblich von einem Fluchtwagen der Demonstranten überfahren wurden. Die Aussagekraft dieser Behauptung kann von meiner Seite in Frage gestellt werden. Auch in dieser Nacht wurde ein großer Teil der Demonstranten verhaftet. Die Vorgehensweise der Polizei bzw. der Regierung wird von vielen Menschenrechtsorganisationen stark kritisiert. Zwar war die Auflösung der Demonstration legitim, aber die Art und Weise war völlig illegitim.

Fast hätte man meinen können, dass die Demonstrationen nach dieser Nacht noch weiter anhalten würden. Doch dem war nicht so. Nach Aussagen der hier lebenden Georgier finden jedes Jahr um diese Zeit Demonstrationen statt, doch so heftig wie dieses Jahr waren sie seit der Rosenrevolution 2004 nicht mehr. Aber wie soll sich etwas ändern und verbessern, wenn von Seiten der Opposition keine konstruktiven Vorschläge gemacht werden und die Bevölkerung vom Handeln der Regierung eingeschüchtert ist? Man kann für Georgien nur hoffen, dass sich in den nächsten Jahren keine extrem radikale Oppossition bildet, die vor Gewalteinsatz nicht zurückschreckt…

Jedenfalls konnte zu Freuden des georgischen Präsidenten die Militärparade am Unabhängikeitstag ohne Probleme oder Störungen stattfinden. Da jedoch am Tag zuvor keiner so recht wusste, wann die Parade sein würde, kam ich natürlich zu spät und habe alles verpasst… Dementsprechend gibt es auch keine Bilder und keinen Eindruck von dem Ereignis, was ich wahrscheinlich nur einmal im Leben hätte erleben können… 😦

Ausflüge

Neben all diesen erfreulichen und weniger erfreulichen Ereignissen habe ich auch versucht wieder ein paar Ausflüge zu machen. Doch auch hier scheiterten leider manche Versuche. So hatte ich mir extra Freitag, den Dreizehnten, freigenommen, um eine kleine Kachetien-Tour zu machen. Geplant war der Besuch von Schlammvulkanen und des Nationalparks in Lagodeghi. Leider gab es Probleme mit der Kommunikation mit einem anderen Freiwilligen mit einem Auto, wodurch wir auf Marschrutka angewiesen waren. Wie bereits erwähnt, ist die Infrastruktur hier alles andere als ausgebaut. Und so kam es zu einigen Planänderungen. Zunächst ging es an den See in der Nähe von Kwareli. Dieser entsprach jedoch gar nicht unserer Vorstellung. Um den See herum war eine Straße und ein Luxushotel gebaut. Schwimmen im See war verboten, aufgrund der großen Fische und des Drecks. Hinzukam dass sich der Himmel immer mehr zuwölkte. Das Ergebnis: Hagel und ein Sturm, wie ich ihn in Georgien noch nicht erlebt habe. Immerhin war es erlaubt, sich im Hotel zu schützen ohne ein Zimmer gebucht zu haben… Nachdem der Sturm endlich abgeklungen war, ging es nach Gremi zu anderen Freiwilligen, um dort zu übernachten. Am nächsten Tag ging es früh weiter nach Telawi, um von dort aus Richtung Schlammvulkane zu gelangen. Doch dem wurde ein Strich durch die Rechnung gemacht. Die nächste Marschrutka fuhr erst drei Stunden später! Völlig frustriert ging es dementsprechend wieder zurück nach Tbilisi. Doof!

Dafür war der vergangene Ausflug umso erfolgreicher. Am letzten Freitag ging es wieder nach Telawi. Diesmal auf die Party zweier anderer Freiwilliger. Allein der Weg und das Ziel waren wunderbar: Auf dem Weg war ein bilderbuchreifer Regenbogen zu bestaunen, am Ziel ein rotleuchtender Kaukasus. Wunderschön! Am nächsten Tag war das Wetter mal wieder grottenschlecht. Dennoch fuhren wir nach Sighnaghi ins Hostel Tura, um uns dort Mountainbikes auszuleihen. Dort fing dann auch endlich die Sonne an zu scheinen. Unser Plan: Mit den Bikes nach Lagodeghi fahren. Anmerkung am Rande: Das entspricht einer Strecke von ca. 50 km. Weitere Anmerkung: Das letzte Mal Fahrrad bin ich vergangenen Juli gefahren. Anderen Sport habe ich seitdem natürlich auch nicht gemacht. Aber was soll`s! Um halb zwei ging es los. Zuerst ging es nach Sighnaghi, wo ein Tanzfestival im Freien war. Danach ging es 15 km bergab (was für ein Spaß!). Und dann ging es mit der Anstrengung los. Treten was das Zeug hält! Zwischendurch gingen wir an einem altbekannten See baden. Doch das war leider keine so schöne Erfahrung wie Anfang Mai. Denn das Grünzeug am Weg war um einige Zentimeter in die Höhe geschossen und alles war voll mit Mücken, Mücken, Mücken. So viel habe ich noch nie auf einmal gesehen und von so vielen wurde ich noch nie gleichzeitig gestochen. Wir mussten quasi direkt ins Wasser rennen, um die Plage loszuwerden. Doch wir mussten ja auch wieder an ihnen am Rückweg vorbei. Was für eine Qual! Bereits ein Liter Blut leichter musste mir natürlich passieren, was sonst keinem anderen passiert. Nach dem Erholungsbad trat ich direkt in einen Kuhfladen! Hmmmhhh… lecker! Also durfte ich mich noch einmal säubern gehen… Zwar erfrischt, aber völlig verstochen, ging unsere Tour unter strahlendem Sonnenschein weiter. Und der Weg wollte einfach nicht enden… Die Fahrräder waren so unbequem, die Rucksäcke so schwer, ich so unsportlich, dass ich die letzten Kilometer nur noch jammern oder das Rad schieben konnte. Dementsprechend haben wir unser Ziel erst um halb neun abends erreicht. Doch wie heißt es so schön: Diesmal war der Weg das Ziel! Völlig erschöpft gint es erstmal unter die Dusche. Und da Georgien klein ist, sich hier aber jede Menge Deutsche befinden, hatten wir einen deutschen EU-Projektleiter als Zimmernachbar. Dieser war so happy Deutsche zu treffen, dass er uns direkt zum Essen einlud und uns am nächsten Tag die Fahrradtour ersparen wollte. Wir konnten die Räder ins Auto machen und mit ihm zusammen zurück zum Hostel fahren. Welch ein unglaubliches Glück und welch eine unendliche Freundlichkeit! Denn 15 km hätte ich NIEMALS bergauf geschafft! So konnten wir uns noch einmal gemeinsam Sighnaghi anschauen und schöne Bilder machen und dann zurück ins traute Heim eintreffen 😉 

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