Kachetien – Vardsia – Yerevan, Armenien (Teil II)

24. – 30. Juni 2011

Lange ist der letzte Bericht wieder her. Und deswegen gibts jetzt eine extra lange, sehr ausführliche Berichterstattung zu den vergangenen (und meinen letzten) Tagen hier in Georgien bzw. auch zum zweiten Armenienbesuch. Leider ist nicht immer alles glatt gelaufen, aber am Ende läuft ja bekanntlicherweise immer alles schief…

24.06.2011: Kachetien – Ein Versuch georgischen Schlammvulkanen näherzukommen…

Es ist mittlerweile der dritte gescheiterte Versuch zu den Schlammvulkanen im Südosten des Landes zu gelangen. Nach dem sehr beeindruckenden Erlebnis von den seltenen Schlammvulkanen in Aserbaidschan, die im Reiseführer als einmalig im euroasiatischen Raum deklariert werden, waren wir umso überraschter, dass es auch welche in Georgien geben solle. Deshalb hatten wir es bereits zweimal versucht dorthin zu gelangen. Das ist aber gar nicht so einfach. Kein Wunder, denn in Kachetien ist es wirklich nicht leicht ohne Auto voranzukommen. Die Marschrutka-Fahrzeiten sind so unglaublich schlecht (denn: a) meist nur eine, die ans gewünschte Ziel fährt und b) meist mitten am Tag, sodass man immer eine Übernachtung miteinplanen müsste), sodass wir uns dieses Mal sehr früh von Tbilisi losmachten, um in Telawi mit drei weiteren Interessenten ein Taxi zu nehmen, um endlich ans ersehnte Ziel zu gelangen. Nur waren wir dann doch nur noch zu dritt und hatten dummerweise einen Taxifahrer erwischt, der noch nie in seinem Leben aus Telawi draußen war. Und so ging die Tuckerfahrt los… Zunächst sollte es nach Dedoplistskaro gehen, um von dort aus weiter zu dem Schlammi-Vulkani „Kilakupri“ zu fahren. Nur leider gab es in dem unbesuchten Örtchen keine Möglichkeit dorthin zu gelangen. In der Nationalparkinformation wurde uns gesagt, dass es keine richtigen Straßen zu den Schlammvulkanen gäbe und dass man einen Jeep für ein solches Wagnis bräuchte. Davon sind jedoch grad keine da, also müssen wir zwei Jahre warten bis die Straßen auch für Ottonormal-Wagen tauglich gebaut wurden. So hat sie uns (also insbesondere dem Taxifahrer) erklärt, was man sich sonst noch schönes in der Umgebung anschauen könne. Also ging es (wie kann es auch anders sein) zu einer auf dem Berg gelegenen Kirche, um einen wunderschönen landschaftlichen Ausblick zu genießen. Nur leider hat der Taxifahrer allein für diese Strecke so ziemlich jeden Kachetier, der seinen Weg kreuzte, um die richtige Richtung gefragt. Das allein hat eine halbe Ewigkeit gedauert. Als wir endlich ankamen, teilte er uns netterweise mit, dass die Wiesen voller Schlangen seien –also trauten wir uns kaum auf die Felsen hochzuklettern, erst recht nicht mehr, nachdem wir Schlangeneier und noch zwei Schlagen vorbeihuschen sahen. Zur Kirche haben wir uns noch getraut, denn hierfür gab es einen Weg. Weiter ging es dann zu der Festung Khornabuji. Doch wie kann es auch anders kommen, der Taxifahrer verfährt sich und gelangt mitten im Wald zu einer Männersupra. Diese ließen uns natürlich nicht mehr gehen und wir wurden zum Trinken gezwungen. Annabell und ich wurden schon dem Sohn des Tamadas als Frau vorgeschlagen, was uns natürlich nicht besonders gefiel, aber die fröhliche Atmosphäre hatte dem Ausflug zumindest ein kleines Sahnehäubchen verliehen. Denn im Endeffekt waren wir an einem solch schönen sonnigen Tag circa 8 Stunden im Auto/ in der Marschrutka gegessen… Da empfiehlt es sich wirklich, wenn man über ein Auto verfügt…

25.06.2011: Samtskhe-Javakheti – Vardsia, die Dritte unter den Höhlenstädten Georgiens…

Wer in das Land Georgien reist, sollte sich unbedingt von den Höhlenstädten bzw. -klostern beeindrucken lassen. Neben Uplistsikhe und David Garedji ist Vardsia die Dritte im Bunde und mit am beeindruckendsten. Deshalb musste unser letzter Wochenendausflug in Georgien dorthin gehen. Wie bereits mehrfach erwähnt, lassen sich die kürzesten Strecken aufgrund der schlechten Infrastruktur nicht an einem Tag bewältigen. Deswegen sollte es zunächst mit der Marschrutka vier Stunden (bei strahlend blauem Himmel und 30°C) nach Aspindza gehen, um von dort aus mit dem Taxi nach Akhalkalaki zu fahren, um dem Endziel Vardsia so nahe wie möglich zu kommen. Nur leider hat uns der Taxifahrer erst im gerade eingecheckten Hotel in Akhalkalaki mitgeteilt, dass es von dort aus gar keinen Weg nach Vardsia gäbe. Das verneinte natürlich der Hotelherr, der in uns gerade seinen Wochengewinn flöten sah. Keine Ahnung warum, aber wir glaubten dem Taxifahrer, weshalb dieser uns nun direkt nach Vardsia fuhr. Fahrtzeit an diesem Tag: Sieben Stunden. Trost: Die Fahrt schlängelte sich am Mtkvari-Fluss in einem Bergtal entlang, was uns einen unglaublichen und unvergesslichen Ausblick schenkte. Auch konnten wir mit dem Taxifahrer an der Festung Khertvisi stoppen, um noch etwas anderes außer einer Kirche oder die geplante Höhlenstadt besichtigen zu können. Und so brachte er uns spät nachts zu Valodias Gästhütte, die uns trotz Stromausfalls noch ein leckeres Abendessen zubereitete. In völliger Stille und wunderbar klarer Luft ging es dann im neu gebauten Guesthouse ins Bett, um früh am nächsten Morgen Vardsia erkunden zu können.

Und das war die lange Hinreise wahrlich wert! Die Höhlenstadt aus dem 12./ 13. Jahrhundert, die einst tausende von Bewohnern beherbergte, strotzt von unglaublicher Größe und Aussicht. Die Erkundung war ein einziger Spaß und ein kleines (Kletter-)Abenteuer zumal uns neben einigen Eidechsen auch eine Schlange auf unserem Weg begegnete. Die Höhlen müssen das reinste Schlangenparadies sein, aber daran wollte ich zu diesem Zeitpuntk nicht gerne denken. Besonders beeindruckend ist der Gedanke daran, dass noch immer wenige Mönche in den Höhlen wohnen. So gab es auch in die Felsen integrierte (und natürlich verriegelte) Türen. Den Touristen zugänglich war jedoch die in den Felsen gebaute georgisch-orthodoxe Kirche. Einfach nur beeindruckend und absolut lohnenswert! Nur leider war es an diesem Tag sooo heiß, dass wir uns eine weitere Wanderung nicht zumuten konnten und somit bereits frühzeitig nach Akhaltsikhe fuhren, um auch diese Stadt noch zu erkunden. Dort ging es zunächst zur Burg-/ Schloss-/ Was-auch-immer-Ruine hoch. Auf dem Weg dorthin trafen wir auf ein Atelier, in welcher ein Georgier gerade die typisch georgischen Grabsteine meiselte, in welche Portraits der Verstorbenen in den Grabstein integriert werden. Nach einer kurzen „Betriebsanweisung“ ging es dann weiter nach oben zur Ruine und in ein Museum. Währenddessen hat es sich bereits zugewölkt und die Luft wurde unerträglich schwül. Das Museum an sich war nicht so spannend, zumal die Arbeiterin für uns das Museum (wie es eben so oft in Georgien ist) erst auf- und die Lichter anmachte, um dann mit mürrischem Blick auf unser baldiges Verschwinden wartete. Neben dem alten Museum befand sich noch ein neuerer Teil, der deswegen erwähnenswert ist, da dieser Teil von BP gesponsert wurde und darin die archäologischen Funde während des Pipeline-Baus ausgestellt wurden. Natürlich hing in dem Museum ein Aushang nach dem anderen, welcher mitteilte wie unglaublich interessiert der Konzern an dem Erhalt der Natur und der georgischen Landschaft sei und dass man die archäologische Arbeit grandios unterstützt hätte. Ganz wunderbar! Das glauben wir alles brav…

Nach dem Museum sollte es schon wieder Richtung Marschrukta gehen. Doch leider hatte ich mal wieder unglaublichen Hunger verspürt. In dieser kurzen Zeit im Restaurant, das gar nicht so einfach in der kleinen Stadt zu finden war, hat sich das Wetter zugezogen, es wurde sehr windig und es begann zu hageln (!!!). So ging es im Regen zurück zur Marschrutka zu einer erneuten vierstündigen Fahrt back to Tbilisi. Am Abend ging es dort noch auf das erste Bierfestival der Stadt mit hierfür extra aus Deutschland eingeflogenen blonden, blauäuigen Bedienungen. Kopf schütteln oder es gutheißen, man kann es sich aussuchen…

26.06.2011: Yerevan, Armenien, Klappe – die Zweite!

Schlag auf Schlag ging es am nächsten Morgen auch schon weiter nach Armenien. Das war was! Zwar hat diesmal alles einigermaßen gut geklappt, aber man darf und sollte auf gar keinen Fall zwei blonde, junge Mädels allein in die kaukasischen Regionen lassen. Zwar dachten wir, wir seien das Angequatschtwerden und Fast-schon-belästigt-werden aus Georgien gut gewohnt, aber das war gar nichts im Vergleich zu Armenien… Doch darum soll es an dieser Stelle gar nicht gehen!

Zunächst ging es wieder 6 Stunden mit der Marschrutka nach Yerevan im schönen Armenien. Anders als bei meinem ersten Ausflug in das Nachbarland im Januar blühte die Landschaft in allen Himmelsrichtungen. Das triste, trübe Grau vom Januar wurde eingetauscht durch ein kräftiges, leuchtendes Grün. Typisch für die armenische Landschaft sind wüsten- oder steppenartige Gebirge, die man so in Georgien kaum bis gar nicht vorfindet. Diesmal war jedoch alles grün und so gar nicht ausgetrocknet. Das liegt daran, dass momentan im Kaukasus ein eher ungewöhnlicher Sommer vorherrscht. Neben unerträglich heißen Temperaturen kühlt es alle zwei bis drei Tage wieder ab oder es regnet mindestens zweimal die Woche. Dadurch kann die Natur sich von der Hitze erholen und blüht weiter. Sehr schön!

Endlich in Yerevan angekommen, erschlugen uns die dort vorherrschenden Temperaturen von 40°C! Und das an jedem Tag! Nichtsdestotrotz mussten wir unser Sightseeing-Programm machen, weshalb wir uns direkt das Zentrum ansahen, wie auch an den nachfolgenden Tagen… Was gab es zu sehen? Typisch armenische Bauten mit rotem Sandstein, insbesondere am Platz der Republik schön zu erkennen, die Oper im Stadtinneren, die Kaskaden mit traumhaften Ausblick auf den Ararat, der sich dank des Stadtsmogs nicht so schön fotografieren ließ, die Moschee, in dessen Innenhof man wunderbar abschalten und zur Ruhe finden kann, sowie ein allabendliches Fontänenlichterspiel am Platz der Republik. Was wir außer rumlaufen und schöne Dinge bestaunen sonst noch gemacht haben? Natürlich jede Menge gegessen 😉 Da in Armenien auch viele Freiwillige eingesetzt sind, haben wir uns natürlich mit diesen getroffen und sind entweder feiern oder essen oder auch beides gegangen. Zumindest erstgenanntes kann man in Yerevan richtig gut und das sollte man auch wirklich genießen! Zwei sehr empfehlenswerte Ausgehmöglichkeiten: Das Calumet und das Crossroad. Unbedingt bei einem Yerevan-Besuch dort hingehen! Leckere kaukasische Küche lässt sich im Kafkas genießen. Dort gab es neben georgischer natürlich auch armenische Küche, die teils vom arabischen Raum beeinflusst ist und dadurch besonders würzig sein kann. Was es für uns gab? Zum Beispiel leckeres vegetarisches Dolmar, Hummus (mmhhh!!!) und Couscous-Petersilie-Tomaten-Salat und noch vieles leckeres mehr.

Damit wir bei der Hitze aber nicht nur in der Stadt auslaufen und halb wegschmelzen, ging es an einem Tag noch an den Sevan-See, einer der größten Bergseen der Welt. Da uns dieser von vielen Seiten empfohlen wurde, konnte wir uns das Abenteuer ohne jegliche Armenisch- oder Russisch-Kenntnisse natürlich nicht entgehen lassen. Und wir sind tatsächlich angekommen! Nur leider hatten wir uns das etwas anders vorgestellt… Denn entweder der Liegeplatz war voller Killerschnaken, die uns böse zerstachen, oder der Platz war privat und kostete damit Geld, oder der Platz war von Arbeitern belagert, die gerade den Sand säuberten. So haben wir uns für Letzteres entschieden und uns mitten in die arbeitende Bevölkerung gemischt. Dummerweise hatten wir nun jedoch eine Ameisenplage am Hals. Man sieht: Der Ausflug war alles andere als erholsam… Baden ging leider auch nicht, da das Bergwasser noch viel zu kalt war und auf der Bergseehöhe ein Temperaturunterschied von mindestens 10°C oder noch mehr war. Denn heiß war uns auf einmal gar nicht mehr… Hat man sich jedoch die Arbeiter und die hässlichen Hotelbauten um den See herum weggedacht, dann ist der See ein wahrer Traum und auch besuchenswert.

Kleines Manko an unserem Armenien-Ausflug: Am zweiten Tag habe ich gemerkt, dass meine externe (neu gekaufte und viel zu teure!!!) Festplatte aus meinem Rucksack gestohlen wurde. Zwar bin ich mir nicht ganz sicher, wo genau das gewesen sein soll, aber höchstwahrscheinlich am armenischen Grenzübergang. Na ja, die Grenzbeamten haben nun ihren Spaß mit ALLEN meinen persönlichen Daten. Drückt mir die Daumen, dass diese nicht missbraucht werden… In Zukunft am besten immer alles Passwortsichern…

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