Ukraine Teil I

08.07.2011: Von Tbilisi nach Poti

Heute war es soweit. Meine Wohnung wurde leergemacht und abgegeben, die Reise zurück in die Heimat hat nun endlich begonnen. Zunächst jedoch nur in kleinen Schritten mit dem Nachtzug von Tbilisi nach Poti, um von dort aus mit der Fähre nach Kerch, Ukraine zu gelangen. Leider habe ich erst an meinem Tag der Abreise gemerkt, dass ich noch immer viel zu viel Gepäck habe und mit meinem monströsen Rucksack, der mehr als die Hälfte meines Gewichtes inne hat, nicht weit kommen werde. Deshalb neues Zwischenziel: Spätestens in Odessa, Ukraine, ein Päckchen richten und nach Deutschland schicken und damit den Rucksack um einige Kilo erleichtern.

(Was an diesem Tag noch erwähnenswertes geschah, jedoch nicht mit meiner Reise zusammenhängt: Aus Deutschland kam ein „Ja“ zu meinem ABC-Manuskript, welches nun vom August-von-Goethe-Verlag publiziert wird!!! Jippie!!! Das musste natürlich noch feierlich mit einer Flasche Sekt begossen werden 😉 )

09.07.2011: Zwischenstopp in Poti

Anders als geplant und auch anders als uns mitgeteilt wurde, ging an diesem Tag keine Fähre mehr von Poti nach Kerch. Diese kam zu spät in Georgien an, weshalb die Abfahrt um einen Tag verschoben wurde. Also schnell ein Zimmer nehmen, den fehlenden Schlaf aus der Nachtfahrt aufholen und sich noch ein letztes Mal ausruhen bis die Reise tatsächlich ihren Anfang findet.

Zugegebenermaßen müssen wir den Gerüchten um die Hafenstadt Poti zustimmen: In dieser Stadt gibt es tatsächlich nichts Sehenswertes oder gar Nennenswertes. Es gibt lediglich einen großen Hafen, wodurch Poti in der Regel nur aus einem Grund besucht wird: Von Poti aus kann man mit der Fähre in die Ukraine fahren. Ein weiterer Grund, weshalb sich hier und da ein Tourist oder ein Besucher nach Poti verirrt, ist der Übergang in einen nahegelegenen Nationalpark, der vor Schönheit und Artenvielfalt nur so trotzt. Schade für das Städtchen, so ist Poti eine der ältestesten Städte Georgiens und doch leider kaum nennenswert…

Und was kann das ganze noch schlimmer machen? Genau: Mal wieder ein Himmel voller Wolken und darauf anschließenden Dauerregen. Unfassbar, dass es immer wieder am Schwarzen Meer regnen muss.

10.07.2011: Abfahrt in die Ukraine – Kerch, wir kommen!

Nach einem ersten Besuch bei der Fähreninformation am frühen Morgen konnte die nette Dame noch immer keine Auskunft darüber erteilen, wann nun endlich die Fähre nach Kerch ablegen würde. Die größte Befürchtung in diesem Moment: Noch eine Woche in Poti festzuhängen! Dem war zum Glück jedoch nicht so. Eine halbe Stunde später konnte uns unsere Befürchtung genommen werden, die Fähre soll um 15.00 Uhr ablegen. Und damit erwarteten uns 30 Stunden Fahrt über die schwarze See!

Nun konnte ja nichts mehr schief laufen, glaubten wir zumindest. Erst gegen halb fünf endlich auf der Fähre angelangt (nach mehreren Pass-, Ticket- und einmaliger Gepäckkontrolle), legte das Schiff einfach nicht ab. Während es draußen heiter windete und regnete, machten wir es uns in der Kabine gemütlich. Im Aufenthaltsraum wurde uns schließlich (netterweise) mitgeteilt, dass das Schiff gar nicht mehr ablegen würde –es sei ein Sturm auf dem Schwarzen Meer, weswegen wir nun auf besser Wetter warten müssten. Oje… Nun schon der zweite Tag, an welchem wir nicht aus Georgien herauskamen…

11.07.2011: Zweite Runde: Tatsächliches Ablegen Richtung Ukraine!

Während dem Frühstück wurde eine Ansage gemacht –natürlich auf Russisch, sodass wir auch ja nichts verstanden. Doch zum Glück konnten uns die anderen Passagiere mit Händen und Füßen erklären, dass wir heute endlich (!!!) ablegen würden. Und so ging es um 9.00 Uhr morgens (nach ukrainischer Zeit) schließlich mit dem heiteren Schiffsgewackel (was auf der Fähre eigentlich gar nicht spürbar ist…) und der 30-stündigen Fahrt los.

(Anmerkung am Rande: Ohne Internet und ohne mitgebrachten Lesespaß und auch noch ohne funktionierenden Fernseher ist es gar nicht so einfach, eine passende Beschäftigung für 30 Stunden Fahrt zu finden. Also am besten irgendeinen Quatsch am Laptop fabrizieren und auf die nächste Mahlzeit warten… Etwas anderes bleibt einem ja gar nicht ürbig 😉 )

Nach schnell aufkommender Langeweile vertreibt man sich die Zeit insbesondere im Freien, auch wenn es auf der Fähre leider keinen den Passagieren zugänglichen Pool gibt. So kann man sich mit der Fähre treiben lassen und das Meer beobachten. Und siehe da! Es lohnt sich: Ein Delfin nach dem anderen schwamm an der Fähre vorbei. Wunderschön! Auch der darauffolgende Sonnenuntergang und Mondaufgang auf dem Schwarzen Meer waren ein reinster Genuss für die Augen und auch fürs Gemüt 😉

12.07.2011: Ein Ende ist leider nicht in Sicht…

So schön der Vorabend auch war und so viel er auch zu bieten hatte, irgendwann würde man doch gerne mal im gewünschten Ziel ankommen. Dem soll jedoch nicht so sein. Bereits am Vorabend wurde uns mitgeteilt, dass wir frühstens am 13.07. ankommen würden. Das verstanden wir als schlechten Scherz. Doch heute Morgen hat sich der „Scherz“ als Wahrheit herausgestellt. Da die ukrainische Polizei dienstags keine Passkontrollen von eintreffenden Schiffen vornimmt, musste unsere Fähre einen Tagesstopp auf dem Meer einlegen. Anker raus, Fährenfahrt stopp! Anscheinend sollen wir einfach nicht in der Ukraine ankommen. Bereits vier Tage im Verzug ist das nicht gerade motivierend für die weitere Reise… Und die Langeweile auf dem Schiff wird nahezu unerträglich und kaum mehr auszuhalten. Vor allem auch das schlechte Essen und die nicht trinkbaren Getränke. Ein einziger Kraus!

Aber immerhin gab es wieder jede Menge Delfine in „real life“ und eine feuerrote Sonnenuntergangskugel zu betrachten. Auch gab es zum Abendbrot netterweise ein süßes und trinkbares Getränk. Das ist ja auch mal was! Am Abend wurde uns dann noch mitgeteilt, dass wir am nächsten Morgen zwischen 6 und 7 Uhr die Ukraine erreichen würden. Oje, das hieß für uns: Früh aufstehen, nochmal duschen und die riesigen Rucksäcke wieder zusammenstopfen… 😉

13.07.2011: Endlich Land in Sicht!

4:35 Uhr: Drrriiiing! Wecker aus und aufstehen, ab unter die Dusche, schnell den Rucksack packen und hoffentlich gleich Land betreten! Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang, Sicht auf das russische Land und auf jede Menge Schiffe auf der See konnten wir es kaum erwarten endlich ukrainischen Boden zu betreten.

Aber wie kann es auch anders sein… Noch immer sollte das ein ganzes Weilchen dauern. Zwar sahen wir schon die Krim-Insel in greifbarer Nähe, aber allein das Einparken des Schiffes nahm noch eine volle Stunde ein. So gab es nochmal Frühstück und danach erfolgten die Polizeikontrollen. An diesen haben wir mal wieder gemerkt, welche Vorzüge es hat EU-Bürger zu sein. Das Visa erhielten wir in blitzeseile (sogar für drei Monate, obwohl wir nur mit einem rechneten) und während drei Polizisten allen Tascheninhalt -sogar Bonbontüten!- unserer Zimmermitbewohnerin begutachteten, fragten sie uns lediglich, woher wir seien, was wir in der Ukraine machen werden und ob wir LSD oder andere Drogen dabei hätten. Natürlich war die Antwort darauf nein und weiter ging`s –ohne auch nur einen Blick in unsere Rucksäcke zu werfen! Da konnte auch die nette Zimmernachbarin nur noch den Kopf schütteln…

Schließlich durften wir um halb zwölf endlich die Fähre verlassen (nach 68,5 (eigentlich 30 geplanten…) Stunden!!! ). Völlig orientierungslos am Hafen Kerchs angelangt, nahm sich zum Glück Nikolai, ein ukrainischer Passagier, der etwas Englisch sprach und sehr an der deutschen Sprache interessiert war, unser an. Da er in Yalta wohnt, dem Sonnenort Krims schlechthin, nahmen er und seine Frau uns netterweise mit. So konnten wir zunächst eine hübsche Kirche in Kerch betrachten, Hrywnia (ukrainische Währung) abheben und in einem riesigen Supermarkt mit jeglichen traumhaften Produkten für unglaublich wenig Geld konsumieren, konsumieren und nochmal konsumieren. So ging die Fahrt weiter nach Ferodosiya, dem Ort, in welchem wir zum ersten Mal unser Zelt aufschlagen wollten. Zunächst ging es dort in ein georgisches Restaurant lecker essen, dann noch kurz an den Strand, welcher von Toursiten völlig überflutet war, und aufgrund des plötzlichen Wolkenbruchs und eines heftigen Gewitters wieder zurück ins Auto und damit weiter Richtung Yalta. Nach einem Zwischenstopp an einer Stelle, wo frisches tatarisches „Lawash“-Brot zubereitet wurde, kamen wir an einem versteckten Örtchen in der Nähe von Nikita an. Dort erwartete uns ein Touristen unbekanntes, gut verstecktes Fleckchen am Ende des Berges, wo wir unser Zelt mit anderen „eingeweihten“ Campern aufschlagen konnten. Mit Blick auf den Bären-Fels und zwei großen, im Meer herausstechenden Felsen machten wir es uns in der Nähe des Wassers gemütlich. Beim Sausen des Windes und beim Rausches des Meeres saßen wir schließlich (und das hatten wir uns wirklich verdient) auf einem Felsen am Strand und tranken bei Mondscheinlicht eine leckere ukrainische Flasche Wein. Ein Abend, wie er nicht perfekter hätte sein können!

14.07.2011: 36°C, Wind, Traumstrand und jede Menge nackte Haut!

Von der Sonne um 7 Uhr morgens geweckt, machten wir es uns zunächst auf der Hängematte gemütlich, um danach noch einige Male im schönen Schwarzen Meer schwimmen zu gehen –ebenso wie die vielen anderen Nacktbader um uns herum. Ein Traumstrand! Kleines Manko: Um zu einem Büdchen zu gelangen (aufgrund des mangelnden Trink- und Essensvorrats) muss man 1km den Berg hochlaufen in das nächtsgelegene Örtchen. Aber ansonsten eine traumhafte Stelle, nach Angaben der anderen Camper einer der schönsten Strandstellen der Krim-Insel, was ich ihnen auch sofort glaube.

Nachdem wir uns mit Proviant und mit einer kleinen Erfrischung im Dörfchen abgedeckt haben, ging es wieder zurück an unser kleines Zelt-Zuhause. Dort wurde erstmal der Tisch im Freien gedeckt und uns gestärkt. Eigentlich wollten wir an diesem Abend schon weiter nach Yalta, aber wir beschlossen doch noch hier zu bleiben. Und wie es der Zufall will, standen Nikolai und Freunde von ihm auf einmal bei uns, die mal sehen wollten, wie es uns so geht. Also ab ins Meer und baden was das Zeug hält!

Am Abend gab es noch ein kleines Feuer und das Beisammensein mit zwei Ukrainern, die auf einem selbst gebastelteten Paddelboot für eine Woche auf dem Schwarzen Meer entlang fahren. Zwei sehr interessante Persönlichkeiten, die das Abenteuer suchen und schon (nach ihren Erzählungen) oft gefunden haben.

15. – 17.07.2011: Auf der Suche nach Yalta – Das zweite Päckchen auf dem Weg nach Deutschland – endlich ein tragbarer Rucksack!

Am nächsten Morgen wurde alles zusammengepackt, was eine halbe Ewigkeit dauerte und bei morgendlichen 30°C gar nicht so einfach war. Unser Plan war von unserem Zeltplatz aus nach Gurduf zu laufen, uns das Städtchen und den dortigen Strand anzuschauen, um dann nach Yalta zu Nikolai zu fahren. Das wurde aber eine ganz schöne Tortur! Erstens hatten wir beide 30kg Rucksäcke auf dem Buckel, was viel zu schwer war, zweitens mussten wir viel zu viel bergauf laufen, drittens hatten wir keinerlei Wasser dabei und vierstens waren mittlerweile schon 40°C. Völlig erschöpft und halb vorm Zusammenbruch in Gursuf angelangt, war das leider gar kein sehenswertes Städtchen. Neben einem reichen spanischen Stadtteil, in welchem die Reichen der Reichen leben, und neben viel zu überlaufenen Touripromenaden, gab es nichts mehr zu sehen. Zum Glück trafen wir auf einen Schweden und seine ukrainische Freundin, die Englisch sprachen und uns schnellstmöglich zum Bus nach Yalta brachten. Ein Glück!

Völlig erschöpft in Yalta angelangt, hatten wir natürlich keinerlei Ahnung, wo es nun hingehen sollte. Doch zum Glück (wie es der Zufall eben will) war Nikolai am Busbahnhof und konnte uns mit zu sich nehmen. Nach kurzigem Ausruhen und kleiner Stärkung in seiner Wohnung ging es an die Lenina-Strandpromenade sich das Geschehen in Yalta anschauen. Doch auch hier befanden wir uns in einer touristischen Hochburg. Das war alles andere als traumhaft. Nun gut, wenigstens was essen gehen, mal kurz im Internet sein und vor allem wieder duschen.

Doch für uns war das Wichtigste Gepäck abzuwerfen. Und darum kümmerten wir uns am nächsten Tag. Das war gar nicht so einfach ohne ausgewogene Russischkenntnisse. Aber wir konnten uns dennoch informieren und beschlossen erneut ein Paket nach Deutschland zu verschicken. Boris, ein Freund und Nachbar von Nikolai, der wunderbar Englisch spricht, nahm sich unser an und begleitete uns zur Post, um alles sicher zu regeln. Und schwupps! –sind 13 kg weg (zusammen von Christof und mir).

Erleichtert (im wahrsten Sinne des Wortes) ging es mit Boris, Nikolai und seiner Frau an eine den Touristen nicht bekannten Stelle in Yalta, um dort einen kleinen Grillabend zu veranstalten. Das war genau das richtige! Abgelegen von der großen Masse, auf einem nicht so einfach zu erreichenden Fleckchen umgeben vom Meer lecker Essen machen und etwas gutes Trinken –und den wunderschönen Vollmond genießen. So macht das Spaß!

Da wir aber bisher noch fast gar nichts gesehen haben (außer der Alexander Nevsky Kathedrale), mussten wir am nächsten Tag noch einen Ausflug machen. Und dieser ging an den Livadia-Palace, der etwas außerhalb von Yalta liegt. Dort wurde wichtige Geschichte für Deutschland geschrieben (was auch erklärt, weshalb so viele deutsche Touristen dort anzutreffen waren). In diesem Palast haben sich Stalin, Churchill und Roosevelt während des Zweiten Weltkrieges zusammengefunden und beschlossen, was mit Deutschland passieren würde. Ursprünglich hatten in diesem italienischen Renaissance-Palast die Zarenfamilie Nicholas II. gelebt. Dies erklärt die edle Einrichtung des Palastes 😉

Nach der interessanten Besichtigung gab es zunächst leckeres und sehr günstiges Sushi in Yalta zu futtern. Danach gab es bei Boris noch ein kurzes Päuschen und das beste Essen (obwohl wir eigentlich schon satt waren), was wir seit zehn Tagen gegessen haben: Selbst gemachten (vegetarischen) Borsch! Das ist das ukrainische Gericht schlechthin. Mmhhh… jammie!

(Borsch ist eine Suppe mit rote Beete, was auch die rote Färbung erklärt, anderen Krauten oder kleinen Karottenstreifen, viel frische Gewürze wie z.B. Petersilie oder Koriander, und kleinen Kartoffelstücken. Eigentlich beinhaltet Borsch auch Fleisch, aber in diesem Fall gab es eine fleischlose Variante für mich.)

Leider gab es in Yalta noch eine nicht so schöne Nachricht für mich. Zwar wurde mir Post nach Deutschland geschickt mit dem Angebot mein kleines ABC zu veröffentlichen, jedoch hatte ich nun das Angebot vor mir liegen und da war ich leider nicht mehr so erfreut. Denn um ein Buch beim August von Goethe-Verlag zu veröffentlichen, muss der Autor sich finanziell beteiligen und für das günstigste Angebot schon 3.500 € zahlen. Und das Ganze geht noch hoch bis 9.000 €. Leider kann ich dem nicht ankommen, weshalb es demnächst doch kein Buch von mir zu kaufen geben wird. Und an alle potenziellen Erstautoren: Fangt lieber jetzt schon an zu sparen!

17. – 18.07.2011: Wohin mit unserem Zelt? Alupka will uns nicht…

Nach der Stärkung sollte es nun nach Alupka gehen, wo es ebenso einen schönen Palast zu sehen gibt und der Strand auch ganz schön sein soll. Als wir nach einstündiger Fahrt dort ankamen und völlig orientierungslos herumliefen (bergauf, bergab), hatten wir jedoch einen ganz anderen Eindruck. Der Strand war super klein und wieder völlig überlaufen und alle Leute, die wir nach einer Schlafmöglichkeit fragten, sagten uns nur, dass man hier nicht zelten könne. Dies gefiel uns natürlich gar nicht, weshalb wir weiter nach Simeyiz, dem nächstgelegenen Örtchen, fuhren, um dort unser Glück zu versuchen. Nur war hier eine ähnliche Situation. Alles voll mit Touristen… Doch hier erhielten wir den Tipp auf den Katzenberg zu laufen und dort zu zelten. Das machten wir auch schließlich –nur ging es hierfür wieder bergauf, bergauf, bergauf. Sehr anstrengend! Aber immerhin hatten wir nun ein stilles Örtchen zum Schlafen gefunden und konnten uns dort vorm Einschlafen noch ein Feuerlein machen.

Am nächsten Morgen ging es wieder in das Städtchen runter, um zur nächsten Stadt zu fahren. Ohne jegliche Russisch-Kenntnisse habe ich es sogar geschafft unsere Bustickets zu kaufen. Nur leider habe ich eine halbe Stunde später gemerkt, dass ich sie für die falsche Stadt gekauft habe… Verdammt! Dabei war ich schon so stolz auf mich! Na ja, die Ticketverkäuferin fand das nicht so schlimm und gab mir die richtigen Tickets. Anstelle von Simferopol wollten wir nämlich nach Sevastopol am Meer. So hatten wir noch drei Stunden länger Zeit in Simeyiz. Also schnell das Gepäck einschließen und sich das Örtchen näher anschauen. Zunächst ging es lecker essen in einem Restaurant im tatarischen Stil. Für mich gab es einen Aubergingen-Tomaten-Käse-Auflauf, was ich noch nie im Leben gegessen hatte. Auf der Toilette noch schnell die Haare gewaschen, ging es weiter zum Strand und dann wieder zur Bushalte.

18. – 21.07.2011: Ankunft in Sevastopol – Endlich wieder sauber werden 😉 Und jede Menge Geschichte und Sehenswertes.

Nach einer landschaftlich hinreisenden Busfahrt nach Sevastopol bestand unser erstes Ziel darin eine Unterkunft zu finden. Nach Lonely-Planet-Angaben gab es nur Hotels und darunter ein ganz günstiges. Also ab dort hin! Tja, von wegen! In einem edlen Hotelpalast angelangt, teilten die Hotelangestellten (die fließend Englisch sprachen) uns mit, dass ständig Touristen mit dem Lonely-Planet hier antanzten, das Hotel aber gar nicht so billig sei wie es drin stünde. So halfen sie uns weiter, indem sie für uns ein Hostel ganz in der Nähe ausfindig machten und uns dort ein Zimmer buchten.

Und das Hostel „Funny Dolphins“ glich vom Niveau locker einem Hotel. Das einzige freie Zimmer „King Size“ befand sich in einem separaten Appartement, das wir uns mit einem russischen Pärchen teilten. Dort gab es ein schönes Bad mit Waschmaschine, eine voll ausgestatte Küche und sogar Internet –also alles, was das Herz begehrt. So gingen wir am Abend eine erste Runde drehen, um uns einen ersten Eindruck von Sevastopol zu erhalten. Über die Stadt wird geschrieben, dass sie eine moderne Hafenstadt sei, in welcher sich der sowjetische Einfluss in Form der Bauten und des Flairs noch sichtlich erhält. Dies war auch unser Eindruck. Neben wunderschönen, gut gepflegten sowjetischen Bauten gab es eine schöne Promenade am Meer, an welcher sich ein Restaurant und eine Sitzgelegenheit nach der anderen befanden. Dennoch gab es dort auch die Möglichkeit am späten Abend baden zu gehen.

Was es sonst noch zu Sevastopol zu sagen gibt? Die Stadt wurde schon mehrmals vollständig zerstört –einmal im krimeischen Krieg 349, einmal von den Briten, Franzosen und Türken 1854-55 und ein weiteres Mal im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen. So wurde die Stadt von Stalin als „Helden-Stadt“ bezeichnet, da sie so lange ausgehalten hat. Aufgrund dieser Geschichte verwundert es auch kaum, dass sich heute nur noch 10 Gebäude in der Stadt befinden, welche vor 1945 erbaut wurden. Dank dieser vielen geschichtlichen Ereignisse befinden sich an etlichen Stellen Kriegsdenkmäler oder auch Denkmäler für Seemänner und ukrainische Seeflotten.

Besonders sehenswert ist die Ruine der einstigen griechischen Stadt Khersones, welche von den Tataren im 14. Jahrhundert zerstört wurde. Also ging ein Ausflug dorthin, um sich einen Eindruck von dem griechischen Städtchen zu machen. Doch leider war es mal wieder so heiß, dass man es kaum aushielt. Zu unserem Glück befand sich Khersones direkt am Meer, zu unserem Pech hatten wir keine Badesachen dabei. Dennoch wurde sich nach zehn minütiger Ankunft direkt im Meer abgekühlt und den wunderschönen Muschelstrand (!) bewundert. Nach einer kleinen Weile ging die Erkundungstour weiter. Neben Ruinen, einem Hologramm-Museum mit Fundstücken aus der Zeit der Griechen und dem Betrachten einer russisch-orthodoxen Kirche ging es an eine weitere Stelle am Meer. Dort wurde einem bewusst, dass die Ruine ziemlich schnell zur Nebensache wird, wenn es eine solch schöne Badestelle gibt. Dann zahlt man gerne Eintritt, um sich hier bruzeln und bräunen zu lassen. Das erklärt auch, weshalb so wenig bei der Ruine selbst los war –einfach Alles und Jeder befand sich am Meer baden. So auch wir 😉

Am Abend ging es noch einmal an der Lenina-Strandpromenade entlang und schließlich lecker Sushi essen –natürlich wieder die vegetarische Version für mich. Vergleichsweise ist Sushi hier wirklich günstig und wenn man mal keine Lust mehr auf Salat hat auch eine gelungene Abwechslung. Vor allem in Kombination mit einem Erdbeer-Daiquiri 😉

Und so schnell der Tag verging, so schnell war auch schon der nächste wieder da. An diesem ging es mit der Fähre auf die andere Seite von Sevastopol und dort an einen uns empfohlenen Sandstrand. Irgendwie glaubten wir an einen Geheimtipp und an einen uns erwarteten Traumstrand wie wir ihn aus der Nähe von Gursuf kannten. Doch dem war natürlich nicht so! Wir kamen an einem Sandstrand an, der komplett voll mit Touris war. Dennoch war das Wasser schön und das Planschen herrlich. Irgendwie würde mich es auch wundern, wenn man noch eine tourifreie Stelle in Krim finden würde. Das dürfte man im Juli und August total vergessen. Aber wir sind ja schließlich auch Touris, also darf ich mich ja nicht beschweren 😉

Leider ging es ziemlich verbrannt und in Windeseile zurück Richtung Hostel. Dort wollten wir noch am gleichen Tag auschecken, um an den nächsten Ort zu fahren. Bisher waren wir aber noch nicht im uns empfohlenen ukrainischen Restaurant, das ziemlich klein und von einer Familie betrieben wurde. Also ging es in der Eile noch dort hin, um unglaublich leckeren vegetarischen Borsch und Gemüseteller zu speisen und frischen Beerensaft zu süffeln. Ein Gaumenschmauss! Schnell, schnell packten wir danach unsere Sachen und liefen (!) zum Bahnhof (wir mussten laufen, da wir zu doof waren, die richtige Bushaltestelle zu finden…). Als wir uns ein Ticket nach Simferopol, Odessa oder Bakhchysaray kaufen wollten, gab es für uns gar nichts mehr. Erst für den nächsten Tag um 19 Uhr gab es wieder ein Ticket nach Odessa. So ein Pech aber auch! Doch zum Glück trafen wir am Bahnhof eine Couchsurferin, die uns ihre Couch anbot und uns mit zu sich nahm. Die Rettung in der Not! So konnten wir uns dort nochmal ausruhen, am nächsten Tag nochmal ans Meer und dann mit dem Nachtbus weiter nach Odessa.


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