Ukraine Teil II

22. – 25.07.2011 Odessa 

Nach zwölfeinhalbstündiger Nacht-Busfahrt und verkrampftem Schlaf kamen wir in der Früh in der ukrainischen Kultur-Hochburg an. Nur leider waren wir mal wieder völlig orientierungslos und auf der Suche nach einem Platz zum Schlafen. Telefonisch zu erreichen war in den im Lonely-Planet vorgeschlagenen Hostels Niemand, also ging es mit der Tram direkt dorthin. Tja, da standen wir nach anstrengendem Stadtmarsch vor einer Baustelle, in der nichts mehr von einem Hostel übrig oder gar zu sehen war. Doch zum Glück gab es dort noch Wifi und somit die Möglichkeit das nächstbeste Hostel herauszusuchen. Hierzu durften wir fünf Stockwerke im Altbaustil hochlaufen, um gesagt zu bekommen, dass ohne Reservierung momentan nichts mehr frei ist. Na prima! Immerhin konnte uns die sehr verschlafene Hostelangestellte einen Schlafplatz für eine Nacht im „Communist Party!“-Hostel organiesieren. Der Name schreckt schon erstmal ab. So ging es die gleiche Fußstrecke wieder zurück und es wurde 12.00 Uhr bis wir endlich eine Unterkunft gefunden hatten. Diese war (anders als zunächst angenommen) wirklich zum Wohlfühlen. Viele nette und interessante Leute und ein schönes und gepflegtes Hostel. Was will man mehr?

Nach kurzer Erholpause ging es zunächst zum Hauptbahnhof, um dort schon unsere Tickets für Kiev zu besorgen. Nur leider kamen wir dafür schon zu spät. Es gab nur noch Luxusklasse, worauf wir natürlich keine Lust hatten. Also ging es weiter ans Meer sich einen ersten Eindruck verschaffen. Dort erwartete uns aber ein altbekannter Anblick: Alles voll mit proletenten Touristen. Kein Zentimeter ohne eine badende oder sich bräunende Person. Also schnell Richtung Stadt wandern Etwas essen und trinken und vor allem sich die Stadt anschauen. Und diese hat einiges zu bieten allein schon architektonisch. Meinerseits ist gar nicht an Architektur interessiert, aber die in Odessa vorzufindenden Gebäude sind mehr als beeindruckend. Einfach nur ein wunderschönes Stadtzentrum mit angenehmen Sommerflair. Zu unserem Glück und ohne unser vorheriges Wissen waren zu diesem Zeitpunkt die internationalen Filmfestspiele in Odessa, wodurch an einer Treppenstelle ein Film abgespielt wurde, welcher gleichzeitig durch Livemusik musikalisch untermauert wurde. Das war wirklich beeindruckend und ein großer Spaß. Vor allem haben wir dadurch wieder eine neue Band entdeckt. Ihr Name: Calle Eclipse. Unbedingt anhören 😉

Am nächsten Tag sollten wir eigentlich ins andere Hostel gehen, worauf wir jedoch gar keine Lust mehr hatten. Doch Platz war bei der Kommunisten-Party keiner mehr für uns, also erfolgte der Umzug ins „The Magic Bus“-Hostel. Dazu lässt sich nur sagen: Ein völlig versnobtes Hostel, das von der Einrichtung her locker einem 3-Sterne-Hotel entspricht, zumal das eine Gästebad einen Jacuzzi enthält, und leider von einem sehr schnippischen und total verpeilten, auf Abschleppen ausgerichteten, jungen Mädchen organisiert wird. Na ja, Hauptsache einen Schlafplatz.

So ging es wieder in die Stadt, um Tickets fürs Ballett in der traumhaften Oper zu kaufen. Leider wussten wir nicht, dass die Saison hiervon schon vorbei ist und es nur noch zwei Vorstellungen eine Woche später (für uns zu spät) geben wird. Beim Ticketkauf scheinen wir einfach kein Glück zu haben… Dafür gab es noch grandiose Pizza zu futtern, einen kleinen Einkauf und am Abend eine Flasche leckeren ukrainischen Wein an den .Potemkin-Treppen.

Am nächsten Tag ging es ausgeschlafen an die Arkadia, worüber im Reiseführer und in sonstigen Informationsquellen zu Odessa steht, dass es keinen Besuch dieser Stadt geben kann ohne an dieser Strandmeile gewesen zu sein. Na ja, wer auf Pommesbuden, Boxautos und Kirmesflair steht, der sollte den Besuch dort wirklich nicht missen. Aber meinem Geschmack entsprach das gar nicht. Eine endlose Party- und Fast-Food-Meile ohne ansprechende Essmöglichkeiten. Immerhin gesehen, wenn auch nicht genossen… Dafür war der Markt am Kirchplatz um die Ecke von unserem Hostel umso schöner, weshalb ich dort die ersten Souveniers gekauft habe: Eine alte Holzkiste und ein traditionell, mit Mustern bemaltes Holzosterei. Da wird mein Rucksack allmählich wieder voller…

Bevor unsere Reise weiter nach Kiev, der ukrainischen Hauptstadt, gehen sollte, wollten wir uns am letzten Tag noch das Wachsmuseum ansehen. Das schien uns als eine günstigere Möglichkeit im Vergleich zu Madame Toussouds (wahrscheinlich völlig falsch geschrieben…). Dem war auch so. Nur leider war das Wachsmuseum ein einziger Reinfall. Die einzig gelungenen Figuren stammten aus irgendwelchen Comicfilmen wie Shrek und seine Familie. Völlig misslungen sind die Harry Potter Figuren, Michael Jackson oder Marilyn Monroe. Dementsprechend schnell ging aus diesem Örtchen wieder raus unserem Gemüt schnell wieder etwas Gutes tun. Und was kann man da besseres machen? Genua! Essen gehen. Und zwar im Basil, was eine wunderschöne auf Basilikum ausgerichtete Location mit köstlichen Gerichten und hausgemachten Getränken ist. Zwar etwas teurer, aber allein vom Ambiente schon lohnenswert. Und dort gab es eine ukrainische Spezialität für mich: Mit Pilze, Nuss und Käse gefüllter Pfannkuchen mit selbstgemachten, grünem Pesto. Und dazu noch ein selbstgemachten Cranberry-Wasser. Jammie!

Gut gestäkt ging es zu einem letzten Schlender-Spaziergang durch Odessa, um am Abend die Reise durch die Ukraine fortzusetzen.

26. – 29.07.2011 Kiev

Erneut sollte es mit dem Nachtbus für neun Stunden in die ukrainische Hauptstadt gehen. Wie bereits schon gewohnt, war die Fahrt ein einziger Kraus. Keine Klimaanlage, keine offenen Fenster, durchgehend russische Kriegsfilme und eine viel zu frühe Ankunft in Kiev. Eigentlich hätten wir um 5.45 Uhr ankommen sollen, was auch schon eine völlig dämliche Ankunftszeit ist, aber stattdessen waren wir schon um 3.44 Uhr am Busbahnhof. Völlig übermüdet mussten wir erst dort eine Pause machen, bis wir es um halb sechs schafften Richtung Innenstadt zu fahren. Auf gut Glück am Freiheitsplatz ausgestiegen, überwältigte uns ein wunderschöner Anblick. Ein beeindruckendes architektonisches Gebäude neben dem nächsten. Voll bepackt ging es jedoch zunächst zum nächsten Café sich stärken und im Internet nachsehen, was die Couchsurfer so schreiben. Dort würden wir erst am Abend eintrudeln. Also Rucksäcke im Hotel abstellen und los geht`s auf Erkundungstour! Der Lonely Planet schlug zum Einstieg einen ersten Stadtrundgang von 3 Stunden vor. Wir haben mit Pausen dafür 6 Stunden gefüllt und hatten immer noch Zeit noch mehr zu bestaunen. Erwähnenswert ist u.a. eine „Liebesschloss“-Brücke im Park, welche vom Lonely-Plante selbst nicht erwähnt wird. In Mitten des Parks befindet sich eine Brücke, die fast vollständig mit kleinen Schlössern behängt ist, auf welchen vielen die Namen eines Pärchen steht. Eine schöne Idee! Doch die Ukrainer scheinen es mit der Liebe zu haben: An einem anderen Spaziergang hing an einer Straßenlaterne ein Schild mit dem groß geschrieben Wort „Love“ und darunter Herze zum abreisen (wie man es sonst mit einem Verkaufsobjekt und einer abreisbaren Nummer macht). Schnell ein Herz mit auf den Weg genommen, wurde die Idee für eine Mission in Deutschland abgespeichert. 😉

Was uns sonst noch auf dem Weg begegnet ist? Unendlich viele Denkmäler an irgendwelche Personen oder Ereignisse wie wir sie auch schon in Odessa vorgefunden hatten. Daneben gab es natürlich noch jede Menge Kirchen und Kathedralen, die vor Glanz wirklich strahlten. Gemeinsames Merkmal sind die goldenen Turmspitzen und die verziert-verschmückten Fassaden. Auch als Nichtgläubiger gerät man bei einem solchen Anblick ganz schön ins Staunen.

Nach einem nicht enden wollenden ersten Tag ging es zu unseren Hosts Nataly und Bohdan. Die beiden wohnten zwar ziemlich außerhalb von der Stadt, waren aber beide mehr als gastfreundlich. Doch nicht nur die beiden sind erwähnenswert, auch ihre wunderbare Katze „The Cat“. Ein riesiges, kuscheliges, flaumiges Etwas in XXL-Format. Ein süßes Etwas!

Ansonsten wurde die beiden anderen Tagen weiterhin brav die Stadt erkundet, im Park gechillt und auch ins Chernobyl-Museum gegangen, was von der Atomkatastrophe 1986 berichtet. Sehr beeindruckend! Leider hat die Regierung es verboten Chernobyl weiter zu besichtigen, sonst hätte es mit Sicherheit einen Tagesausflug dorthin gegeben. Stattdessen gab es für uns einen Ausflug nach Lavra, einem heiligen Ort in Kiev, an welchem mummifizierte Mönche zu bestaunen sind. Ohne jegliche Vorstellung erhielten wir dort aber einen sehr negativen Eindruck. Das lag womöglich daran, dass wir am „Tag der Christianisierung der Ukraine“ dort eintrudelten und alles, wirklich alles voll mit Gläubigen war. Lavra ist ein sehr großes Gelände mit mehreren Kirchen, Museen und auch Tagungsstätten. Man könnte wirklich schon von einem eigenen Stadtbezirk reden. Jedenfalls fühlte man sich bei der Menge an „Religion in der Luft“ als Ungläubiger schnell unwohl. So ging es noch die mummifierten Mönche besichtigen, was die Sache nicht gerade angenehmer machen. In den Katakomben wimmelte es nur von Gläubigen, die die glasigen Särge, unter welche ganzkörperbedeckte Mönche (angeblich) lagen, abküssten. Überhaupt nicht meine Sache! Also schnell weg von hier in den nächsten Park chillen und das Wetter genießen.

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