Mein Buch über die wunderbare Kultur Georgiens

http://www.amazon.de/Das-kleine-kulturellen-Besonderheiten-Georgiens/dp/3990072595/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1334086000&sr=8-1

Viel Spaß beim Lesen 🙂

Teil II: N-Z

Das kleine ABC der interkulturellen Besonderheiten

(und natürlich auch unerwartete Gemeinsamkeiten)

von Geormany und Gergien


 Teil II:  N – Z

Hier nun endlich der zweite Teil meines kleinen ABCs der kulturellen Besonderheiten Georgiens. Auch an dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf aufmerksam machen, dass der nachstehende Inhalt mit einem Augenzwinkern betrachtet werden sollte und nicht als vollständige Wahrheit aufgefasst werden kann. Meine Eindrücke setzen sich aus Erzählungen oder eigenen Erfahrungen und Beobachtungen zusammen –also gilt mein ABC als rein subjektiver Bericht, um auch euch eine Vorstellung über Georgiens Kultur geben zu können. Dabei wünsche ich euch viel Spaß! 🙂

(Info: Auch beim zweiten Teil veröffentliche ich nur einen Auszug dessen, was ich alles über die kulturellen Besonderheiten Georgiens verfasst habe. Bei Interesse kann ich euch noch mehr zukommen lassen.)

 

N wie Namen.

Namen: Wie in jedem Land und Sprachraum gibt es auch hier typische georgische Namen, die einem überall begegnen. Beispiele hierfür sind die folgenden Frauen- und Männernamen. Zu ersterem zählen: Nino, Keti, Eka, Lika, Mari und Salome. Zu zweitem zählen: Giorgi und Irakli, welche ich beide als äußerst amüsant empfinde, des Weiteren Dawit, Kote und Lasha. Vergleichsweise typische deutsche Namen unter der jüngeren Generation: Lena, Lisa, Hanna, Sophie und Laura sowie Thomas, Andreas, Jonas, Christoph und Daniel. Diesen Namen begegnet man garantiert regelmäßig und damit mehr als nur einmal im Leben. So kann es durchaus vorkommen, dass man innerhalb von vier Wochen drei verschiedene Likas oder Hannas im Handy gespeichert hat. Dann kann man nur noch auf verschiedene beginnende Nachnamen hoffen, um die Likas und Hannas voneinander unterscheiden zu können…

 

 

O wie Öffnungszeiten.

Öffnungszeiten: Feste Zeiten, in welchen die Geschäfte offen haben, gibt es hier nicht. Das Büdchen und jegliche andere Lädchen machen auf, wann sie wollen und sind geöffnet solange sie wollen. Das ist natürlich optimal, denn so kann auch noch nachts bzw. morgens um 5 Uhr eingekauft werden. So wird natürlich auch keine Party auf dem Trockenen liegen. Besonders amüsant sind die Öffnungszeiten von unserem sehr geschätzten McDonald’s, welcher es sogar geschafft hat, sich in Georgien zu etablieren: 24 h, rund um die Uhr, 7 Tage die Woche. Dies ist aber gar nicht so: In einer Stunde, welche gerne variiert, kann man nur Essen am Drive In erwerben. Dies ist natürlich sehr vergnüglich, wenn zig Georgier morgens schön verschoben am Drive In Autogeräusche nachmachen, um an Essen zu gelangen –dabei kann man doch auch einfach an die nächste georgische Bäckerei laufen, welche garantiert schon fleißig am backen ist und guten Ofenbrot genießen.

 

P wie „Planung“, Polizei und Parksupervisor.

Planung: Gibt es nur in sehr geringem Maß. Stattdessen gilt: Komm ich heut‘ nicht, komm ich morgen. Ganz meine Meinung! Davon brauchen wir mehr in Deutschland. Manchmal muss man einfach anerkennen, dass sich nicht alles bis ins kleinste Detail planen lässt. Dann hauen einen auch die Dinge, die schief laufen, nicht mehr völlig aus den Socken. Im Gegenteil: Man ist dann besser in der Lage darauf zu reagieren und damit klarzukommen, dass nicht immer alles perfekt ablaufen kann. Ein passendes Zitat von Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall.“

 

Polizei: Findet sich auf jedem freien Quadratmeter an. Auch in den hinterlegendsten Provinzen gibt es eine Polizeistation –auch wenn solche Gegenden den Anschein erwecken, dass dort nicht einmal Menschen leben und es somit auch keine Verbrechen geben kann, haben sie ein Gebäude von nicht gerade pragmatischer Größe. Anders als in Deutschland bekommt man hier durch die Omnipräsenz der Polizei kein Gefühl der Einschüchterung vermittelt. Im Gegenteil. Die Polizisten wirken sympathisch und man fühlt sich durch ihre Anwesenheit in keinster Weise bedroht. Stattdessen laufen sie neben einen umher, unterhalten sich menschlich (!) mit ihren Mitmenschen, schauen auch mal gut aussehenden Frauen hinterher –eben alles andere als autoritäre Bedrohungsgestalten. Und dennoch fühlt man sich sicher und geschützt. Komisch ist es zwar schon, wenn zwei Polizisten an der Haustür klopfen und man sich für einen kurzen Moment fragt, was diese nun von einem wollen. Dann passiert aber genau das Gegenteil der schlimmsten Befürchtung und sie drücken einem einen Flyer in die Hand, quatschen einen auf Georgisch voll und im Nachhinein findet man heraus, dass man zu einer Eröffnung für eine neue Polizeistation eingeladen wurde. Das kann eben durchaus vorkommen! J

Vom Hören und Sagen wurden die Polizisten in den vergangenen Jahren regelrecht ausgetauscht –während damals mehr wohlgeformte Herren der Ordnung für die Einhaltung des Rechts gesorgt haben, sind nunmehr primär junge, trainierte Herren auf Georgiens Straßen unterwegs. Was die Polizei hier wirklich charakterisiert und was man schnell misst, wenn man wieder außerhalb Georgiens ist, sind ihre Ansagen aus dem Polizeiwagen heraus. Erstens fährt die Polizei hier immer mit rot-blau, abwechselnd leuchtendem Licht umher. Und zweitens plappern sie ständig irgendwelche Aussagen aus ihrem Wagen heraus. Dann fahren sie kurz einem Auto fast hinten auf und beschweren sich dann über dessen Fahrstil –aber so, dass es auch der letzte in der obersten hintersten Wohnung des nächststehenden Hauses hört.

 

Parksupervisor: Sind Personen, welche auf Gehwegen oder an Straßenrändern stehen und ein angefahrenes Auto in den letzten freien Quadratmeter lotzen. Nicht immer stehen die Parksupervisor an berechtigten Stellen, an welchen es unmöglich wäre ohne ihre Hilfe einzuparken. Dann kann es vorkommen, dass sie am Rand einer Straße oder auf einer Parkfläche stehen, welche fast vollständig leer und dementsprechend einfach zu beparken ist. Aber stehen sie erst einmal in der Nähe eines Parkplatzes, so ist es unerlässlich ihnen Geld für ihre Hilfe zu geben. Dies ist vor allem dann berechtigt, wenn sie Autos kreuz und quer parken lassen, dadurch am Ende aber fünf mehr Autos Platz finden als es ohne deren Hilfe möglich gewesen wäre. Dann bedankt man sich auch nur zu gerne mit ein paar Lari nach der Parkeinweisung.

 

Q wie Qualm.

Qualm: Es lassen sich nur zwischen zwei Arten von Qualm unterscheiden: Zigarettenqualm und Qualm, der aus dem Verbrennen von Gegenständen herstammt. Beides ist in Georgien des Öfteren sicht- und riechbar. Erst genanntes ist überall dort, wo geraucht wird. Also an jedem Ort außer in Kirchen oder in Metrostationen. Zweit genanntes findet sich vor allem auf offener Straße und in Parks, in welchen zusammengekehrte Laub- und Müllhaufen angezündet und verbrannt werden. Wie der Qualmgeruch dann tatsächlich riecht, will man wirklich nicht in Worte fassen.

 

 

R wie Rauchen und Recyceln.

Rauchen: Georgien ist das Paradies für passionierte Raucher. Warum? Erstens kostet eine Schachtel Zigaretten im Schnitt 1€, wobei es auch noch günstigere Marken gibt. Zweitens darf und kann man in Georgien fast überall rauchen. Ausnahmen sind Kirchen, sakrale Denkmäler und Gedenkstätten, Metro-Stationen und natürlich Krankenhäuser. Nach Gefühl raucht jede dritte Person in Georgien. Das schafft natürlich ein Zugehörigkeits- und Gruppengefühl, zumal man für sein Laster nicht wie in Deutschland von der Gesellschaft negativ sanktioniert und am liebsten desintegriert werden würde. Auch findet sich in Kneipen, Restaurants, Bars und sonstigen Einrichtungen des kulinarischen Genusses ein gesonderter Raucherservice: Der Aschenbecher wird nach jeder Zigarette geleert. Sitzt man im Freien, so werden nasse Servietten in den Aschenauffänger gelegt, damit einem die Asche nicht ins Gesicht weht. Wie gesagt: Georgien ist ein Raucher-Paradies!

 

Recyceln: Soweit mir bekannt und nach der Offensichtlichkeit des Abfallverhaltens gibt es in Georgien kein ausgeprägtes, strukturiertes Recycling-System. Für Flaschen jeglicher Art gibt es kein Pfand. Stattdessen werden sie mit etwaigem, anderen produzierten Müll gemeinsam in die Tonne gehauen. Was der Zusammenwurf aller erdenklichen Abfallarten erspart, sind verschiedene Behälter für unterschiedliche Flaschen- oder Müllarten. Das penible Sortieren von Abfall wie man es aus Deutschland gewohnt ist, kann man sich ersparen. Der Kopf wird nicht unnötig zerbrochen, sondern alles wird zusammen in eine Tonne getan. Und wer weiß, vielleicht ist dieses in Georgien praktizierte Abfallverhalten zwar das einfachere, aber auch das bessere?

 

 

S wie Style, Sprache und Schrift.

Style: Würde das Aussehen und das Auftreten einer Person keine zentrale Rolle in Georgien spielen, so gäbe es nicht ständig irgendwelche Fashionshows und -weeks. Der Style der Georgier kennzeichnet sich durch einen schlichten Stil mit Schwarz und Grau als dominierende Farbkombination. Bunt, auffällig und skurril sind hier eher fremde Begrifflichkeiten. Stattdessen herrscht eine Casual-Eleganz, insbesondere unter den weiblichen Personen. Diese tragen gerne auch Schuhe, die man sonst nur auf Laufstegen oder im Fernsehen sehen würde: Unter 10cm Absatz geht hier nichts. Und früh übt sich: So kann es auch vorkommen, dass die kleinen Damen in der 5. Klasse bereits mit hohen Absätzen in der Schule herumstolzieren. Es kann aber auch der Fall sein, dass Frauen nach 20 Jahren Highheels-Tragen vom Arzt gesagt bekommen, dass sich ihr Fuß so verformt hat, dass sie nun keine anderen Schuhformen mehr tragen können. Aber wie heißt es doch so schön? Wer schön sein will, muss leiden. Aber nicht nur das. Man darf auch eine jede Menge Geld zahlen, wenn man versucht ist sich Schuhe zu kaufen. Das ist eine fast unmögliche Mission, die es kaum zu bewältigen gibt –vor allem dann, wenn man Schuhgröße 39 hat und nach einem simplen Stil von Schuh sucht. Für ersteres darf man sich belächeln lassen (genauer gesagt für die großen Füße) und für zweites darf man jede Menge Geld hinlegen.

Doch nicht nur das weibliche Geschlecht ist sehr auf sein Äußeres bedacht, auch die Männer legen sich ganz schön ins Zeug. Insbesondere der Style der Jugendlichen ist erwähnenswert. Neben Turnbeuteln werden sie von Lederjacken und Ganzkörper-schwarze-Kleidung geziert. Warum Turnbeutel? Diese sind heute der neue Rucksack der Jugend. Ein jeder hat einen und ein jeder läuft damit rum. So bekommt in Georgien der Begriff „Turnbeutelvergesser“ eine ganz neue Bedeutung.

Besonders amüsant ist nicht nur der Anblick der Jugendlichen, sondern vor allem ihr Verhalten und Auftreten im Rahmen ihres Looks. Dieser gleicht nämlich dem von John Travolta in dem sehr bekannten Film „Greace“. So umwerben die Jungs dementsprechend männlich wie sie sind die jungen Damen der Schule, welche sich zwar eher durch einen Coco-Chanel-Style kennzeichnen, in die Szenerie des Filmes aber trotzdem außerordentlich passen.

 

Sprache und Schrift: Sind etwas ganz besonderes in Georgien. Es ist wirklich bewundernswert, dass ein solch kleines Land mit so wenigen Einwohnern ihre eigene Sprache und ihre eigene Schrift aufrechterhält, obwohl jeder Georgier auch der russischen Sprache mächtig ist. Womöglich ist dies ein klares Symbol für die Abgrenzung von Russland und der ehemaligen Sowjetunion. So ist es auch kaum verwunderlich, dass im Zuge der zunehmenden Westorientierung immer mehr Englisch in der Schule gelehrt wird. Ab diesem Schuljahr soll nicht mehr Russisch die erste Fremdsprache sein, welche die Schüler lernen, sondern Englisch. Hierfür gibt es auch ein spezielles Programm, mit welchem „native speaker“ an die Schule geholt werden, damit diese den Kindern möglichst gutes Englisch beibringen. Besonders bemerkenswert ist die Sprachtalentiertheit der Georgier. Diese sprechen mehrere Sprachen nahezu fließend. Neben ihrer georgischen Muttersprache lernen sie Russisch quasi als Zweitmuttersprache, weiterhin beliebt ist (in eben meiner Schule) Deutsch. Dieses wird ebenfalls auf einem unglaublich hohen Niveau gelernt. Privat geht es dann noch in den Englisch- und/ oder Persisch-Unterricht. Damit sind die Georgier in der Lage mindestens drei verschiedene Schriften zu lesen und zu schreiben sowie drei verschiedene Sprachen zu nutzen. Von dieser Motivation eine andere Sprache zu erlernen, könnte sich ein jeder Amerikaner wie auch Deutscher eine Scheibe abschneiden… So könnte man doch Georgisch in den amerikanischen Unterricht integrieren, wodurch man Malen nach Zahlen und Sprachlernen miteinander kombinieren könnte. Das georgische Alphabet und insbesondere die Schrift lassen sich nämlich nicht gerade einfach erlernen und schreiben. Dafür muss man sehr geduldig sein und im wahrsten Sinne des Wortes ein ruhiges Händchen haben. Der Lohn ist aber groß, denn einfach jeder geschriebene Satz sieht am Ende wunderschön und wie gemalt aus! Allein das macht schon Spaß. Und wenn man dann noch in der Lage ist mit dem Taxifahrer oder dem Brotverkäufer von neben an einen Small Talk zu führen, leuchten deren Auge und die Freude ist groß. In diesem Moment merkt man, dass es sich doch schon gelohnt hat Georgisch zu lernen.

 

 

T wie Taxi, Toiletten und Traditionen.

Taxi: Ist eine der interessantesten und amüsantesten interkulturellen Begegnungen, die man in Georgien machen kann. Bis Ende 2010 galt bei einer Taxifahrt keine Anschnallpflicht weder für den Fahrer noch für die Beifahrenden. Hat sich der ungewohnte europäische Fahrgast dennoch aus Sichherheitsbewusstsein angeschnallt, galt das für den Taxifahrer oftmals als Beleidigung seiner Ehre. Dies hat sich jedoch zwanghaft verändert, da seit Beginn 2011 eine allgemeine Anschnallplficht für Fahrer und vorderen Beifahrer gilt. Daran wird sich auch streng gehalten, denn die Kontrollen verlangen hohe Geldstrafen bei Verstoß ab. Wirklich schade zu wissen ist, dass häufig Professoren Taxi fahren, um ihr universitätes Gehalt auszubessern. Sie verdienen so wenig in ihrem Job, dass sie gezwungen sind daneben noch einen Taxiservice anzubieten. Allein deswegen lohnt es sich, Georgisch zu können, sich mit den Profs zu unterhalten und ihre Lebensgeschichte zu erfahren, die in der Regel sehr interessant ist. Gerade dann sollte man auch nicht an dem sowieso sehr geringen Fahrpreis schrauben, sondern bereit sein diesen zu zahlen. So verdient eine Putzfrau in Deutschland wesentlich mehr als ein Professor an einer Hochschule in Georgien!

Aber nicht alle Taxifahrer haben einen solch interessanten Hintergrund. Manchmal wird man auch von sehr traurigene Schicksalen in der Stadt umher gefahren. So z.B. ein Taxifahrer, für welchen ich mich nach der Rückkehr von Batumi nachts in der Eile entschieden habe. Als er mir den Rucksack nicht abnehmen wollte, fasste ich das schon wieder als Frauen-Diskriminierung auf, die mir zuvor in Batumi widerfahren war. Als ich ihm dann trotzig den Rucksack entgegendrückte und er ihn widerwillig und sehr unbeholfen in den Kofferraum legte, fiel mir erst bei der Fahrt auf, dass der Fahrer nur einen Arm hatte. Der hat ja Nerven! Dann fehlt ihm zwar der rechte Arm zum Schalten, dennoch wird beim Fahren geraucht und zeitweise telefoniert. Behindertegerechte Autos findet man hier kaum vor bzw. kosten ein halbes Vermögen –und wie man merkt: Heil angekommen bin ich trotzdem. Ein Wunder!

Taxifahrer sind wirklich ein interessantes Völkchen: Kann man sich auch nur ein wenig mit ihnen verständigen, sind sie überglücklich und meist auch bereit den Preis zu senken. Vor allem sind sie sehr hilfsbereit. So gab es einen Taxifahrer, der sich gerne mehr mit mir unterhalten hätte. Deswegen rief er eine Bekannte an, die Englisch sprach und ließ diese dolmetschen. Es entstand ein Dreiergespräch der anderen Art. Das Resultat: Er bot mir seine Hilfe an, mir alles in der Stadt zu zeigen, was mich interessiert und mir immer zu helfen, wenn ich mal nicht weiter weiß. Sehr nettes Angebot! Bei aller Schätzung… die Nummer hab ich ihm dennoch nicht gegeben…

 

Toiletten: Stellen meist eine Begegnung der anderen Art dar… Das ist nun wirklich nicht jedermanns Sache. An erster Stelle sind die in den Boden integrierten Lochtoiletten. Diese gibt es in allen möglichen Variationen: Mal mit Spülung, mal ohne, mal mit Tür, mal ohne, mal mit Licht, mal ohne. Da kann es schonmal vorkommen, dass man sich auf diese Toilette begibt, jedoch weit und breit kein Toilettenpapier und keine Spülung vorzufinden ist. Da muss man kreativ sein. Manchmal gibt es Schläuche, die man am Wasserhahn befestigen kann, um dann manuell zu spülen. Es kann aber auch mal wieder kein Wasser vorhanden sein und das Geschäft eines jeden sammelt sich in dem Loch –ein äußerst schmackhafter Geruch. Sollte man ein größeres Geschäft planen, empfiehlt es sich zuvor die Spülung auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Besonders häufig muss man an seine Grenzen gehen, wenn man an Rastplätzen eine Toilette aufsucht –dies kennt man ja auch schon aus Tschörmänie. Dann kann es sein, dass man auf komplett verdreckte Toiletten gehen muss, die kaum noch dreckiger sein können. Meist muss man hierfür auch noch Geld zahlen. Wenn man Pech hat, befindet sich keine Tür an den Toiletten und man sieht den Damen in der Schlange beim Geschäftverrichten zu oder unterhält sich sogar dabei mit ihnen. Hier muss man wahrhaftig den sonst gewohnten hohen Hygiene- und Anonymitätsstandard aus Deutschland ablegen und sich den Gegebenheiten fügen –denn wer muss, der muss. Zwar trainiert man sich schon fleißig (z.B. in der Schule innerhalb von sechs Stunden) einen Toilettengang vermeiden zu können (u.a. bedeutet das der Verzicht auf Kaffee oder sonstige Flüssigkeiten…), aber manchmal ist dieser einfach unerlässlich. Denn Blasenschmerzen sind wirklich etwas unangenehmes… Dann muss man über seinen Schatten springen und am besten immer Desinfektionsgel in der Tasche mit sich haben. Besonders fatal sind bei solchen Toiletten offene Schuhe. Am besten bei längeren Marschrutka-Fahrten auf FlipFlops verzichten oder im Freien pinkeln gehen.

 

Traditionen: Spielen in dem orthodoxen Land noch immer eine sehr zentrale Rolle innerhalb der georgischen Kultur. Man sollte sich vorzeitig darüber informieren und sich diesen gegebenenfalls anpassen. Hierzu zählt z.B. das Unterlassen von lauter Schneuzerei in der Öffentlichkeit. Man begegnet georgischen Traditionen überall. Es kann das Mann-Frau-Verhältnis betreffen oder sich in georgischen Tanz sowie Gesang wiederfinden. Viele Traditionen leitet sich aus Georgiens Religiösität ab, manche verlieren jedoch mit zunehmender Modernisierung an Bedeutung. Dennoch liegt Alt wie Jung viel daran, ihre Traditionen zu wahren und nicht völlig aufzugeben. Hierzu zählt z.B. der swanetische Gesang, der auszusterben droht. Doch die Jungen geben ihr Bestes den Gesang von den Alten zu lernen und an die kommende Generation weiterzutragen. Eine Tradition, welche wohl nie aussterben wird, da sie bei Besuchern großen Zuspruch und Beliebheit findet, ist wohl die Supra…

 

 

U wie Unterführungskultur.

Unterführungskultur: In der Hauptstadt Georgiens gibt es viele Unterführungen, die einen langwierigen, komplizierten und gefährlichen Weg über mehrspurige Straßen vermeiden. Demenstprechend sind die Unterführungen oftmals sehr lange und haben viele Abzweigungen, je nachdem wohin man möchte. Da sehr viele Menschen diese Unterführungen passieren, bietet es sich für einen tüchtigen Geschäftsmenschen doch geradezu an dort einen Verkaufsstand (sei es in einer Räumlichkeit oder direkt auf dem Weg) aufzumachen oder Live-Musik anzubieten –die Akkustik ist hierfür jedenfalls ideal. So hört man schon von weitem -selbst wenn man noch nicht einmal die Treppe zur Unterführung passiert hat- die „Musik von unten“. Das macht gute Stimmung, da sich in den Unterführungen meist junge Menschen treffen mit vollem Equipment und einigen Gesangsbegleitungen. Vermutlich ergibt sich vieles auch sehr spontan. Durch das meist eher dunkle, trübe Licht wird dadurch eine besondere Atmosphäre erzeugt: Für einen kurzen Moment taucht man von der Welt „da oben“ ab in eine zweite surreale Unterwelt, in welcher sich das Leben plötzlich viel verruchter und aufregender anfühlt. Dies ist natürlich nicht in allen Unterführungen der Fall. So gibt es auch den Klassiker eines Untergrund-Basaris: Dort werden Verkaufsstände oder kleinen Läden voller Krusch angeboten. Damit die tapferen Verkäufer, die das Tageslicht dementsprechend rar bis gar nicht sehen, dort nicht verhungern, gibt es auch entsprechende Essensstände mit georgischen Backwaren. Das bietet sich natürlich auch für den hungrigen Passanten an.

Doch es findet sich nicht nur eine solche Unterführungskultur in der Hauptstadt. Auch gibt es verzwickte Unterführungen, die über mehrere Stockwerke hinwegführen, scheinbar keinen direkten Weg verfolgen und welchen mehrere Clubs und Restaurants etabliert sind. Natürlich trifft sich hier nicht die Schickeria. An solche Stellen sollte man insbesondere als Frau auf keinen Fall alleine gehen –denn der Männeranteil dort ist sehr hoch und nicht gerade im Stil des Gentleman. Am besten tut man darin, wenn man eine solche Unterführungskultur vermeidet und sich doch lieber über die mehrspurige Straße wagt…

 

 

Vwie Verwestlichung.

Verwestlichung: Nach all dem Ärger mit dem machtlüsternen Russland und dem Höhepunkt eines 5-Tage-Krieges 2008 ist es kein Wunder, dass die georgische Regierung mehr Sinn in einer zunehmenden Westorientierung sieht. Mit zwei autonomen georgischen Teilgebieten, die stets von der russischen Seite in allen erdenklichen Bereichen unterstützt werden, zielt die Zukunft Georgiens auf eine europäische Anbindung. Doch nicht nur die EU soll das Land in seiner Entwicklung unterstützen, auch die USA sollen das georgische Rückenmark stärken. Um diesen Traum wahr werden zu lassen, wurden unterschiedliche rechtliche Schritte eingeleitet: So soll als erste Fremdsprache in der Schule nicht mehr länger Russisch gelernt werden, sondern Englisch. Zu diesem Zwecke werden Native-Speaker aus englischsprachigen Ländern für ein Jahr nach Georgien geholt, um mit etwas Taschengeld in einer Familie untergebracht an einer georgischen Schule Englisch zu lehren. Auch finden sich in Supermärkten (vgl. Goodwill) immer weniger russische Produkte, da ein Im- und Exportstopp zwischen den beiden Ländern in Folge des Konfliktes 2008 stattfand. Deswegen müssen die Russen auf guten georgischen Wein und gutes georgisches Quellwasser verzichten, während in georgischen Supermärkten übermäßig viele (leider auch übermäßig teure) deutsche Produkte vorzufinden sind. Eine Kommunikation zwischen den beiden Ländern findet nur noch über die Schweiz statt, für die Konfliktbeilegung sorgt die nach Georgien entsandte zivile EU-Beobachterkommission „EUMM“ (European Monitoring Mission).

 

** Hintergrundinformation zum Kaukasuskonflikt 2008:

  • Bereits vor dem Zerfall der Sowjetunion strebten die beiden georgischen Gebiete Südossetien und Abchasien einen Autonomiestatus an. Ihre selbst zugeschriebene Eigenstaatlichkeit wird jedoch von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt.
  • Da Südossetien und Abchasien für Russland als „Nahes Ausland“ gelten, legt Russland besonderen Wert auf die dortige Sicherheit. Die Regionen werden finanziell, militärisch und personell von Russland unterstützt.
  • Die zunehmend stärker werdenden Beziehungen der USA und der EU zu Georgien und der Unterstützung des Landes für einen NATO-Beitritt führte zu einem Ausbau der russischen Beziehungen zu Südossetien. Gleichzeitig wurde Georgien militärisch von den USA unterstützt.
  • Der Kaukasuskrieg kann von der russischen Seite als Aktion gegen die amerikanische Ausdehnungspolitik verstanden werden, von georgischer Seite als Versuch, die territoriale Unversehrtheit des Landes zu wahren.                                                                            **

 

 

W wie Wasser.

Wasser: Georgien ist kein trockenes Land, obwohl es im Sommer von unglaublicher Hitze heimgesucht wird. Flüsse und Seen finden sich zu Genüge, was auch mit dem enormen Bergvorkommen zusammenhängt. Auch ist das Land für sein heilendes Quelwasser (beispielweise aus Borjomi) bekannt. Das hergestellte, georgische Trinkwasser wurde gerne in die Nachbarländer exportiert, im Zuge des Kaukasuskonfliktes 2008 jedoch nicht mehr länger nach Russland, dem womöglich größten Wasser-Abnehmer. Neben dem Quellwasser ist Georgien auch für seine Schwefelwasserquellen bekannt, welche für Thermal-Schwefelbäder aufgewendet werden. Diese sind sehr wohltuend und besonders empfehlenswert.

Neben solch sinnvollen Anwendungsgebieten wird das Wasservorkommen aber auch gut strapaziert und vor allem verschwendet. So sind insbesondere in den Städten die Wasserleitungen sehr defekt und äußerst reparierwürdig ausgebaut, was dazu führt, dass es teilweise nachts gar kein Wasser in bestimmten Stadtgebieten gibt, da dort gerade Wartungsarbeiten stattfinden, wohingegen in anderen Stadtgebieten das Wasser in den Toiletten oder Wasserhähnen durchläuft, sofern man diese nicht extra abklemmt. Allein durch das dauerhafte Tropfen der Wasserhähne in Küche und Bad lässt sich schon kanisterweise Wasser ansammeln, ganz zu schweigen von der Menge, die durch das fließende Toilettenwasser verloren geht. Das Sammeln des Wasserhahnwasser empfiehlt sich wirklich. Denn wenn nachts das Wasser wieder einmal abgestellt wurde, hätte man doch gerne noch Wasser zum manuellen Toilettenspülen, zum Zähneputzen oder je nach Bedarf auch zum Kochen. Trinken lässt sich das georgische Wasser für einen Besucher beispielsweise aus Deutschland wohl erst nach einiger Zeit –nämlich erst dann, wenn sich der Magen abgehärtet hat und das Schlimmste erst einmal überstanden wurde. Man sollte nichts überstürzen und in der ersten Zeit entweder auf das Wasser aus der Leitung verzichten oder aber es zumindest vor Gebrauch abkochen –zumindest wenn man gerne auf diverse Magen-Darm-Probleme und zig Toilettengänge (vielleicht auch ohne fließend Wasser…) verzichten möchte.

 

 

X, Y wie …

X oder auch ჯ ist ein Buchstabe im georgischen ABC, welcher wie ein „dsch“ ausgesprochen wird. Beispielhaft hierfür ist der Name des Quellwasser-Ortes Borჯomi, als „Bordschomi“.

 

Xerox: Findet sich lustigerweise in Georgien, in der Türkei und in Aserbaidschan. Nur eben je in anderen Schreibweisen und Aussprachen (z.B. Kseroks). Was das ist? Xerox ist ein Ort zum Drucken und Kopieren. Das kann auch nur ein Kämmerchen von 5 m2 einschließen. Das kann auch einen „Experten“ einschließen, der noch nie in seinem Leben etwas ausgedruckt hat und die hilfesuchend darum bittet, es selbst zu machen. However, hauptsache man hat am Ende die Dokumente, die man braucht.

 

Y oder auch ყ ist ebenfalls ein Buchstabe im georgischen ABC, dieser lässt sich jedoch nicht so einfach aussprechen. Hierfür braucht man ein trainiertes Sprachorgan oder ganz viel Gefühl im eigenen Kehlkopf. Niederschreiben lässt sich das Geräusch leider nicht, aber es hat etwas mit „ch“ zu tun –nur im Donald Duck-Style. Wer diesen Buchstaben ohne weitere Übung aussprechen und in den einzelnen Wörtern problemfrei anwenden kann, bekommt an dieser Stelle meinen tiefsten Respekt ausgesprochen. 😉

 

 

Z wie Zeit.

Zeit: Man weiß nicht warum, aber das Zeitgefühl ist in Georgien wesentlich anders als in Deutschland. Es fühlt sich richtig gut an. Denn man nimmt sich endlich mal Zeit für die Dinge, wenn auch nicht immer für die wesentlichen. Jedenfalls ganz nach dem Motto: Komm ich heut nicht, komm ich morgen. Man lässt sich treiben und fühlt regelrecht die Tage, die Stunden, die Minuten, die Sekunden –auch wenn man sie nicht explizit wahrnimmt, werden sie voll ausgekostet. Stress ist hier ein Fremdwort. Was viele Menschen in Deutschland hastig umherlaufen und quasi vor der Zeit wegrennen lässt, ist hier nicht vorfindbar. Einem Bus wird nicht hinterher gerannt. Man wartet entspannt auf den nächsten, auch wenn dieser erst 20 Minuten später kommt und man deswegen zu spät zur Arbeit kommen wird. Was soll’s. Sich unter Zeitdruck setzen lassen, gibt es nicht. Das lassen sich die Menschen nicht gefallen. Wozu auch? Es klappt auch alles mit etwas Verspätung. Verabredet man sich um 20 Uhr, dann kommt ein Georgier in der Regel nicht vor 20:30 Uhr. Auch in der Schule kann es vorkommen, dass Lehrer und Schüler erst 5 Minuten nach Unterrichtsbeginn erscheinen. Das verärgert niemanden. Denn das Leben funktioniert auch ohne feststrukturierten Zeitplan. Wie schön ein solches Zeitgefühl doch sein kann… 🙂

 

Teil I: A – M

[ Da es die nächsten zwei Wochen in die Türkei geht, wird der nächste Blog-Bericht ein Weilchen auf sich warten lassen. Bis dahin gibt es nachstehend etwas längeren Lesestoff. Zwar wollte ich mit der Veröffentlichung meines kleinen ABCs noch etwas warten, aber dafür gibt es auch vorerst nur einen Auszug aus den Teilen A bis M. Viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln 😉 Der zweite Teil wird vermutlich nicht vor Weihnachten erscheinen… ]

Das kleine ABC der interkulturellen Besonderheiten (und natürlich auch unerwartete Gemeinsamkeiten) von Geormany und Gergien

– Kleiner Exkurs zur political correctness, auf welche viele, viele Personen hohen Wert legen: Bevor ihr euch die nachstehenden, mir aufgefallen interkulturellen Differenzen oder Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Georgien zu Gemüte trägt, möchte ich auf die eingeschränkte Aussagekraft meiner Ausführungen aufmerksam machen. Dies sind persönliche Erfahrungen und Eindrücke, die ich in meiner Zeit in diesem Land mache bzw. gemacht habe. So basieren viele der Informationen nicht auf fundierte Recherchen, sondern auf Gespräche mit hier lebenden Personen. Ich möchte keineswegs allgemeingültige Aussagen treffen und beabsichtige nicht mit meinen Berichten alle Georgier und/oder Deutsche in eine Schublade zu packen. Bekanntlich bestätigen die Ausnahmen die Regeln! Also bitte das nachstehende mit Humor und einem Augenzwinkern begutachten, aber keineswegs mit bitterer, ernster Miene (àansonsten würde ich an dieser Stelle empfehlen eine andere, intellektuell höherwertigere, völlig humorfreie Internetzone zu besuchen). –

 

A wie Autos und Autofahren.

Autos und Autofahren: Das ist in Georgien etwas ganz besonderes. Wohl demjenigen, der sich diesen mutigen Schritt wagt zu gehen! Autofahren ist hier nun wirklich kein Zuckerschlecken. Im Grunde genommen kann man das georgische Autofahren mit Autoscooter-extreme gleichsetzen. Jegliche uns bekannte Verkehrsregeln treten hier außer Kraft. Angeblich besteht zwar eine Anschnallpflicht (zumindest ab 80 km/h), aber kontrollieren tut das keiner. Geschwindigkeitsbegrenzungen habe ich hier nur einmal gesehen und daran gehalten wurde sich trotz des seltenen Anblickes eines solchen Schildes nicht. Stattdessen wird ordentlich das Gaspedal durchgetreten und munter drauf losgefahren. So ist es hier sehr typisch auf einer geradspurigen Straße das Lenkrad nicht so zu halten, das man gerade fährt, nein, man muss immer auf geraden Strecken Kurven fahren. Hin und Her und Hin und Her. Worin der Sinn in dieser Fahrweise liegt, konnte ich bisher noch nicht herausfinden. Weiter ist es kaum verwunderlich, dass guten Gemütes auf einspurigen Straßen zu dritt nebeneinander hergefahren wird, zur Not wird der Nachbar noch mehr auf die Gegenfahrbahn gedrängt. Damit kommt man hier schon klar. Scheinbar, nein, ziemlich offensichtlich bezieht ein Auto in Georgien einen nicht so hohen Stellenwert wie in Deutschland: Hier wird nicht jeden Sonntag das Auto geputzt, eine durchbrochene Fensterscheibe oder ein fehlender Außenspiegel schnellstmöglich (nicht) ersetzt. Das muss noch halten. Für erstgenannten reicht etwas Panzertape. Zweitgenanntes braucht kein Mensch. Beim Einparken scheint es schon völlig legitim zu sein dem Vorder- und/oder Hintermann kurz die Karosserie zurechtzurücken solange man danach steht. Dementsprechend sehen die Autos auch aus.

Ein besonders amüsantes Erlebnis widerfuhr mir beim Hinunterfahren eines Berges. Am Seitenrand einer Kurve stand ein Auto mit zwei Menschen um dieses herum, welche Hilfe bei den vorbeifahrenden Autos suchten. So hielten wir an und sahen, dass das Auto geradewegs in einen grooooßen Stein, welcher zwei Meter von der Straße entfernt stand, gefahren sind. Mir ist bis heute schleierhaft, wie es physisch möglich ist innerhalb dieser Kurve gerade an einen Stein zu fahren, welche meterweit von der Straße entfernt ist. Kein Wunder, dass es auch von Nöten war, dem Fahrer zu erklären, dass er mit dem Auto erst wieder auf die Straße kommt, wenn er rückwärts von dem Stein wegfährt. Zwar hat die Hälfte des Vorderteils gefehlt, weitergefahren ist der Mann trotzdem. In diesem Fall will ich wirklich nicht wissen, was der Fahrer intus hatte, aber zum Glück ging der Unfall noch glimpflich und für mich amüsant aus.

Ach ja, einen TÜV gibt es hier auch nicht mehr. Dieser wurde von Herrn Saakaschwili abgeschafft. Der Grund hierfür lag in der stark ausgeprägten Korruption. Wenn sowieso jeder dafür zahlen konnte das TÜV-Siegel zu erhalten -auch wenn das Auto gleich auseinander bricht-, so kann ganz auf eine „Prüfung“ verzichtet werden (so das Argument). Wo er Recht hat, hat er Recht (ausnahmsweise…). Trotz der wenigen Regulierungen scheint das Autofahren zu funktionieren und ist immer wieder aufs Neue eine aufregende, interessante Erfahrung (solange man am Ende heil ankommt).

 

B wie Baustellen.

Baustellen und Bauarbeiten: Ein äußerst interessantes und nennenswertes Phänomen. Mindestbauzeit einer jeglichen Baustelle: 3 Jahre! Man begegnet ihnen einfach überall. Sei es auf der Straße oder mitten auf dem Gehweg. Das besondere an ihnen ist, dass sie einfach da sind –ohne jegliche Kennzeichnung. Anders als in Deutschland werden hier keine Warnschilder oder Absperrungen um die Baustelle herum montiert. So kann es durchaus vorkommen, dass während des gemütlichen Spaziergangs auf einem Gehweg plötzlich ein Mensch in drei Meter Tiefe verschwindet. Das lag dann wieder an einem Loch auf dem Gehweg, welches nicht gekennzeichnet wurde. Es rät sich also stets mit offenen Augen umherzuschlendern… Zumal von den meist 3 Meter tiefen Löchern der Schutt fünf Meter weiter mitten auf dem Weg liegt. So besteht also weiterhin die Gefahr über große Schutthaufen zu fallen (es sei denn man hat seine Kletterausrüstung parat und wagt es sich, den riesigen Haufen zu bezwängen…). Ein letztes prägnantes Merkmal georgischer Baustellen ist ihre Mindesthaltbarkeit: Diese bezieht sich auf 3 Jahre. Nur selten wird ein Haus, eine Straße oder eine Gasleitung früher fertiggestellt. Deshalb wundert es auch nicht, dass einfach in jeder kleinsten Ecke eine Baustelle anzutreffen ist. Dann lässt sich nur noch raten, wann mit dieser begonnen wurde oder ob man diese in einem Jahr noch immer sehen wird. Man kann also durchaus mit dieser skurrilen Baustellenwelt seinen Spaß haben!

Ein weiteres, leider nicht ganz so amüsantes Erlebnis kann ich von Bauarbeiten berichten. In Georgien finden Bauarbeiten tagtäglich statt -es wird nicht zwischen Wochenende und Werktagen unterschieden, zwischen Ruhe- und Arbeitszeit sowieso nicht. So kann es durchaus vorkommen (wie es mir passiert ist), dass man samstags morgens von einem so lauten Bohrgeräusch geweckt wird, dass man glaubt, es steht jemand im Zimmer und bohrt ein Loch durch deine Wand. Beschweren kann man sich darüber nicht. Was bleibt, ist lediglich die Hoffnung, dass sie samstags fertig werden und man sonntags nicht mehr von Bauarbeiten im Treppenhaus vor der Wohnung geweckt wird…

 

C wie Chaos.

Chaos: Eigentlich bedarf es diesen Wortes keiner weiteren Erklärung. Lediglich synonyme Ergänzungen wie Ungeordnetheit, Unstrukturiertheit, Wirrwarr. Dadurch kennzeichnet sich Georgien aus. Anders als in Deutschland wird hier nicht jeder Stein akkurat neben- und aufeinander angeordnet. Im Gegenteil: Hier werden die Dinge gemacht, wie sie gerade passen und dabei wird garantiert nicht auf ästhetische Aspekte geachtet. So kommt es, dass ein schiefes Haus neben dem anderen steht oder aus einer einspurigen Straße aufgrund der nicht vorhandenen Fahrbahnkennzeichnung eine dreispurige Autobahn wird. Das Chaos äußert sich jedoch nicht nur in der Architektur des Landes, sondern insbesondere in der Arbeitsweise der Georgier: Es kann seit einem Jahr eine Tagung von 50 Leuten festgelegt sein. Dennoch wird sich erst ein Tag vorher um die Planung von Essen, Getränke oder Räumlichkeiten gekümmert. Ganz nach dem Motto: Komm ich heut nicht, komm ich morgen. Zeitdruck oder Stress macht sich hier niemand. Und wenn mal etwas nicht so zu schaffen ist, wie es eigentlich hätte gemacht werden sollen (vgl. Organisation der Tagung), dann ist das auch nicht schlimm. Die Georgier sind ja daran gewöhnt. Und die verdutzten Gesichter der internationalen Gäste vergehen nach einigen Besuchstagen (zwangs Gewöhnung) auch. Dass hier keine To-do-Listen erstellt werden und nicht jeder kleinste Punkte haargenau durchgeplant und -organisiert wird, macht mir das Land sehr, sehr sympathisch! Von dieser lockeren (Arbeits-)Weise möchte ich mir gerne die eine oder andere Scheibe abschneiden und als ewiges Andenken mit nach Deutschland nehmen. Mein Tipp an die in die Deutschland arbeitende Bevölkerung: Schaut euch für eure bürokratische Arbeitsweise von den Georgiern die Gelassenheit und Stressfreiheit ab und chillt mehr! Die Wirtschaft wird davon schon nicht zusammenbrechen…

 

D wie Deutschkenntnisse.

Deutschkenntnisse: Wirklich überrascht hat mich die Sprachfähigkeit der georgischen Schüler an der Schule, an welcher ich arbeite. Zwar gibt es an dieser Schule die Möglichkeit, das Deutsche Sprachdiplom zu erwerben, dennoch hätte ich nie gedacht, dass die Sprachkenntnisse so hoch seien. Die Schüler haben ein unglaubliches Interesse daran, Sprachen zu sprechen und zu erlernen. Sie sind höchst motiviert und interessiert. Als besonders angenehm anzusehen ist die Klassengröße: In einer Klasse befinden sich bis zu 30 Schüler, welche jedoch für den Sprachunterricht in mindestens zwei Klassen aufgesplittet werden. Dadurch befinden sich maximal 15 Schüler in einer Deutschstunde, wodurch jeder Schüler gleichermaßen gefördert werden kann. Beim Großteil der Schüler merkt man, dass diese unbedingt das Sprachdiplom erlangen wollen, um in Deutschland zu studieren –wozu sie definitiv in der Lage sind. Das hohe Sprachniveau kann ich mir nur damit erklären, dass sie bereits in der zweiten Klasse anfangen, eine Fremdsprache spielerisch zu erlernen und ab der 6. Klasse wöchentlich sechs Unterrichtsstunden in der Fremdsprache erhalten. Einziges Makel: Die Schüler lernen nicht, deutsche Texte in Georgisch zu übersetzen und umgekehrt. Aber scheinbar geht es auch so… So ist es auch kaum verwunderlich, dass die Schüler einer Sprachdiplomschule bessere Deutschkenntnisse aufweisen als ein georgischer Germanistikstudent im 2. Semester…

Die deutsche Sprache ist in Georgien eine relativ weit verbreitete und tief verankerte Sprache (dies hat vor allem historische und politische Gründe). Jedoch trauen sich viele Georgier, die man im Restaurant kennenlernt oder auf der Straße trifft, nicht, deutsch zu sprechen, was natürlich sehr schade ist. So hatte ich gedacht, dass es bei so vielen Sprachdiplomschulen in Tbilissi sehr wahrscheinlich ist, sich unterwegs mit Deutsch durchzuschlagen. Dies war bisher gar nicht der Fall! Bis heute habe ich noch keine Person auf der Straße getroffen, die mit mir Deutsch reden konnte. Lediglich mit Russisch kann man sich hier sehr gut durchschlagen. Dieser Sprache bin ich jedoch nicht mächtig, wodurch ich gezwungen bin bei der georgischen Sprache zu bleiben…

 

E wie Essen.

Essen: Hierzu möchte ich an dieser Stelle nicht allzu viel verraten. Schließlich widme ich den kulinarischen Besonderheiten dieses Landes eine eigene Kategorie. Das sagt dann auch schon alles aus: Wahrscheinlich die größte, schönste und leckerste Besonderheit des Landes liegt in den Verköstigungen. Sei es das Essen oder das Trinken, ganz gleich –es schmeckt und es gibt jede Menge davon geschmacklich, aber auch in Bezug auf die Tischsitten zu entdecken. So ist es hier nicht üblich, dass jeder eine eigene Portion eines Gerichtes erhält. Stattdessen werden viele verschiedene Gerichte serviert und in die Mitte gestellt. Das Essen wird geteilt und jeder kann sich von dem nehmen, worauf er/sie/es Lust hat und natürlich kann man sich so viel nehmen, wie er/sie/es möchte. Gleichzeitig schafft die Art des Essens ein Gefühl des Teilens und der Gemeinsamkeit. So ist man doch daran interessiert, dass auch jeder das bekommt, was er möchte und auch satt davon wird. Was mir hier sehr gefällt, ist das dazu reichen von Brot. Ganz so wie ich es mag: Zu jeder Mahlzeit wird leckeres, im Ofen gebackenes Brot serviert. Da kann man es sich einfach nur gut gehen lassen!

 

F wie Frauenbild.

Frauenbild (/-rolle): Dazu lassen sich zwei äußerst konträre Seiten aufzeigen: Auf der einen Seite werden Frauen vergöttert und verehrt, auf der anderen Seite sind sie nur halb so viel wert wie ein Mann. Die Gründe dafür sind mir bisher noch unersichtlich. Vielleicht liegt es an dem (in der Religion) verankerten, traditionsbehafteten (Glaubens-)Bild einer Frau, vielleicht aber auch nicht. Es äußert sich mir jedenfalls in zweierlei Hinsicht. So kann es durchaus passieren, dass die Männer einen den Vortritt überlassen, dass sie einem den Einkauf zahlen oder dass sie einem Geschenke machen (wohlgemerkt: Männer, die man nicht kennt). Gleichzeitig kann es auch vorkommen, dass sie einem das Gepäck nicht abnehmen (z.B. beim Taxifahren) oder dass sie mit einem nicht reden (z.B. im Guest House). Vielleicht empfinden sie dies als anmaßend, da in beiden Fällen deutsche Männer dabei waren und sie eventuell den Eindruck hatten, dass die Frau bereits vergeben ist und sie deshalb nicht mit mir sprechen sowie helfen dürfen. Es kann aber auch einfach daran liegen, dass die Frau einen nicht ganz so großen Stellenwert einnimmt. Vielleicht liegt der Grund auch darin, dass ein Männermangel herrscht und damit die Frauen im Überschuss vorhanden sind. Auf diese Weise kann die Wertschätzung des weiblichen Geschlechts durchaus verloren gehen… Man(n) weiß es nicht. Dennoch ist es ein interessantes Erlebnis beide Seiten kennenzulernen und zu erleben, zumal man diese Seiten in Deutschland (dank der Emanzipation und geschlechtlichen Gleichberechtigung) nur noch an kleinen Schnittstellen des Lebens vorfindet.

 

G wie Gastfreundlichkeit und Glaube.

Gastfreundlichkeit: Lässt sich wirklich kaum in Worte fassen, gar niederschreiben. Das muss man erlebt und gefühlt haben. Der Gast ist den Georgiern heilig und wird als ein Geschenk Gottes aufgefasst und dementsprechend behandelt. So darf der Gast keinen Finger rühren und keinen Tetri zahlen. Die letzten Reserven werden für einen Gast zur Verfügung gestellt, damit sich dieser auch ja wohl fühlt. Möchte man sich mit Georgiern treffen, um etwas gemeinsam zu unternehmen, so sehen sie einen dennoch als Gast an. Dann kann es passieren, dass sie ein Geschenk mitbringen oder dass sie dich zum Essen einladen. Möchte man sich mit ihnen gemütlich in einen Park oder an einen See setzen, um ein Bier zu trinken (wie in Deutschland sehr üblich), dann kaufen sie die Getränke (sie bestehen darauf!) und kaufen noch etwas dazu, was sie dir im Anschluss mitgeben (also wieder schenken) können. Lebt man in einer Gastfamilie kann sich die Gastfreundlichkeit bis ins Extreme steigern: Der Gast bekommt ein eigenes Zimmer, wodurch drei Kinder von nun an in einem Bett in einem Zimmer schlafen müssen und die Eltern im Wohnzimmer nächtigen. Für den Gast werden am Fastentag dennoch Tierprodukte serviert und für den Gast wird weicheres Toilettenpapier gekauft (obwohl für so etwas kein Geld da ist…). Genusshaft in einer Gastfamilie zu leben ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen, ist nach diesen Schilderungen nur schwer bis (meiner Meinung nach) gar nicht möglich. Man möchte gerne das zurückgeben, was die Georgier einen selbst geben -zumal man sich wirklich gerne revanchieren möchte, da man eine solche Freundlichkeit aus Deutschland alles andere als gewohnt ist-, aber das lassen sie nur ungerne und schwer zu. So liegt es an einem selbst, sich auf eine andere Weise als dankbar zu erweisen und zu versuchen, ihnen mit der gleichen Herzlichkeit zu begegnen wie sie es tun –das ist das mindeste, wie man einer solch schönen und seltenen Menschlichkeit entgegenkommen kann.

Glaube: Bereits nach vier Wochen hat mich der ausgeprägte Glauben dieses Landes bekehrt. Zwar nicht in dem Sinne, dass ich nun gläubig bin -das wird in diesem Leben wohl nicht mehr passieren-, aber mir ist bewusst geworden, wie wichtig der Glauben für Menschen sein kann und wie viel Halt sie dadurch gewinnen können. Der Glaube an etwas Übermenschliches stellt für mich nicht mehr länger einen Irrglauben dar -ganz im Gegenteil. An etwas bzw. an eine Religion zu glauben, stellt eine sinnvolle und notwendige Institution für die Gesellschaft dar. Den Menschen wird Orientierung und Rückhalt gegeben. Wenn sie nicht mehr weiter wissen oder es ihnen schlecht geht, dann gibt ihnen ihr Glaube Stärke und Kraft. Den Georgiern kann es noch so schlecht gehen, sie glauben weiterhin an das Gute. Ihr Wertesystem ist gekennzeichnet von ihrer Religion, welche ihr menschliches Wesen prägt: Sie sind gutherzig, hilfsbereit und sozial orientiert –alles Werte, die in Deutschland mit dem zunehmendem Egoismus und Egozentrismus im Zuge des wachsenden ökonomischen Wettbewerbs immer mehr verloren gehen und teilweise ganz verschwinden. Wer weiß, vielleicht liegt dies auch an dem schwindenden Glauben der westlichen Gesellschaft. Zwar wird auf dem Pass eine Religionszugehörigkeit vermerkt, aber kaum jemand geht regelmäßig in die Kirche oder bezeichnet sich selbst als Gläubigen (wobei der Kirchgang auch nicht als wahre Lösung anzusehen ist –diese Institution ist nicht gerade die hilfreichste für den Lebensweg). So sind es doch gerade die kleinen Rituale (die in Deutschland kaum mehr vorhanden sind), die eine Gemeinsamkeit schaffen und die die Gesellschaftsmitglieder miteinander verbinden. Wenn ein Georgier eine Kirche sieht oder an einer vorbeigeht, dann bekreuzigt er sich. Viele tragen einen Rosenkranz um den Hals (nein, nicht wie in Deutschland als Modeschmuck) und wenn genügend Zeit da ist, dann wird in die Kirche gegangen, eine Kerze angezündet und ein Gebet gesprochen. Der gemeinsame Glaube verbindet die Menschen und schafft gesellschaftlichen Zusammenhalt und macht den Menschen zufrieden mit dem, was er hat. Manchmal kann es doch so einfach gehen…

 

H wie Hochzeit.

Hochzeit: Man hat das Gefühl, dass in Georgien so viel geheiratet wird, dass es eigentlich gar keine unverheiratete Personen mehr geben kann. Tag ein, Tag aus finden in jeglichen Kirchen mehrere Hochzeiten statt –sozusagen im Stundentakt. Insbesondere wenn die Sonne scheint, wird das Hupkonzert (in Folge der vielen Hochzeiten) in der Stadt noch lauter als es sowieso schon ist. In Georgien nimmt die Trauung zweier Menschen eine sehr bedeutsame Rolle ein: Ein Kind soll nicht vor der Ehe zur Welt gebracht und noch weniger von nicht miteinander verheirateten Eltern aufgezogen werden. Da die Hochzeiten für die Georgier von so großer Bedeutung sind, werden sie auch ganz anders zelebriert als in Deutschland. Das ganze Vermögen der Familie wird zusammengetragen, um diesen einen Tag unvergesslich werden zu lassen. Mindestens 200 Personen werden zur Feierlichkeit eingeladen –alles, was darunter liegt, ist sehr, sehr untypisch und nur ungerne gesehen. Deshalb feiern die meisten Georgier nur eine riesige Hochzeit, können sich danach aber keine Flitterwochen mehr leisten. Dann heißt es: Entweder oder. Meistens wird auf letzteres verzichtet und dafür eine riesige Traumhochzeit gefeiert, die so schnell keiner mehr vergisst. Dann wird an einem Tag ein ziemlich volles Programm abgearbeitet, welches durchschnittlich folgendermaßen abläuft: Morgendlicher (Sekt-)Empfang im Haus des Bräutigams, Weiterfahrt zur standesamtlichen Trauung, noch einmal zurück zum Haus, danach wird in die Kirche gefahren zur sakralen Eheschließung -was in der Regel eine halbe Stunde umfasst- und hiernach wird finalement in die Gaststätte gefahren, in welcher bis spät in die Nacht gefeiert, getanzt, gespeist und getrunken wird. Die kirchliche Trauung als solche beinhaltet andere Riten als es die christliche Kirche vorsieht. Während der ganzen Zeremonie wird gestanden, das Ehepaar bekommt zwischenzeitlich eine Krone von den Trauzeugen über den Kopf gehalten, mit welcher sie zusammen mit dem Pastor herumlaufen müssen, sobald dieser ein Band um die Handgelenke der Braut und des Bräutigams gelegt hat, um diese miteinander zu verbinden. Der Ehering wird von den Trauzeugen am Finger angebracht, das Ehepaar und die Trauzeugen halten zeitweise während der Zeremonie Gebetskerzen in den Händen. Gegen Ende der Eheschließung wird aus einem Krug (vermutlich) Wein getrunken –immer im Wechsel bis der Kelch leer ist. Manchmal kann es auch vorkommen, dass das Ehepaar heilige Bilder an der Wand küsst/ küssen soll. Dies scheint jedoch zu variieren. Nach der halbstündigen kirchlichen Handlung kann dann auch endlich gefeiert werden…

 

I wie Improvisation.

Improvisation: Darin sind die Georgier besonders gut. Auf akkurate, monatelange Vorausplanung und Durchorganisiertheit wird hier gerne verzichtet. Stattdessen überwiegt Spontaneität und Improvisation. So kann es durchaus vorkommen, dass man eine Minute vor Unterrichtsbeginn erfährt, dass man eine Lehrerin vertreten muss. Zwar läuft dann die Stunde um einiges chaotischer ab als es eigentlich der Fall gewesen wäre, aber es funktioniert. Ein faszinierendes Phänomen, was in Deutschland leider vom Aussterben bedroht ist. Dabei ist es doch herrlich, wie wenig Planung eigentlich von Nöten ist und all das, was man sonst so fleißig am planen ist, dennoch funktioniert. Gleichzeitig ist es doch geradezu schade zu erkennen, wie viel Zeit man mit überflüssigem Durchorganisieren eigentlich verschwendet…

 

J wie Jahreszeiten.

Jahreszeiten: Diese verlaufen hier ein bisschen anders als in Deutschland. Pauschalisieren lässt sich das Wetter dennoch nicht, da sich Georgien durch ganz unterschiedliche klimatische Bedingungen kennzeichnet. Im Norden wird das Land durch den großen Kaukasus ein-, im Süden durch den kleinen Kaukasus abgegrenzt. Das Schwarze Meer befindet sich im Westen, östlich liegt das Kaspische Meer. Dementsprechend variiert das Klima je nach Himmelsrichtung. Da Georgien auf dem gleichen Breitengrad wie Rom liegt, wird es im Vergleich zu Deutschland nicht so kalt. Der Winter ist kurz und mild, das Frühjahr geht schnell in den Sommer über, welcher dann über viele Monate hinweg anhält. So kann man sich auf sehr heiße Temperaturen bereits ab April freuen, welche dann bis Ende September anhalten und erst im goldenen Oktober anfangen auszuklingen. Im Winter findet sich Schnee in der Regel nur in den Bergen wieder, wo diverse Schneesportarten bis Ende April möglich sind.

 

K wie Kirchen.

Kirche: Können hier als Hauptattraktion eines jeden georgischen Dorfes und einer jeden Stadt angesehen werden. Es gibt sie überall in mehrfacher Ausführung. Übersehen kann man die Gottesbauten nur schwer. Das sollte man aber auch nicht wollen, denn ein Blick in das Gotteshaus lohnt sich. Insbesondere dann, wenn die Wände von Fresken aus dem 12. Jahrhundert geziert werden. Welch hohen Stellenwert Kirchen in Georgien beziehen, erkennt man am besten an der 2007 errichteten Kirche Zminda-Sameba in Tbilissi. Die gigantische Größe des Gotteshauses trotzt dem 2009 errichteten Präsidentenpalast, der im Vergleich zur Kirche äußerst mickrig und schon fast niedlich erscheint –ein deutliches Symbol, welchen Rang die Religion und welchen die Politik des Landes bezieht. (Gleichzeitig stellt die Zminda-Sameba wohl den einzigen Ort ganz Georgiens dar, an welchem Rauchverbot herrscht. Das muss schon was heißen!) Möchte man ein Gotteshaus besichtigen, so gelten strikte Vorschriften. In eine Kirche dürfen Frauen beispielsweise nur, wenn sie angemessen gekleidet sind. Hierzu zählen ein Kopftuch und ein Rock. Verbotsschilder kennzeichnen klar und deutlich, dass man eine Kirche nicht betreten darf, wenn man kurze Kleidung trägt oder kein Kopftuch anhat. Touristis sind von dieser Vorschrift nicht ausgeschlossen. So lohnt es sich immer einen Schal dabei zu haben, um zumindest die spontane Kopfbedeckung gewährleisten zu können.

 

L wie Logik und Lernen.

Logik L/lernen: Man könnte meinen, dass eine der zentralen Funktionen einer schulischen Lehre darin besteht, den Kindern logisches Denken zu vermitteln. So besteht doch das halbe Leben aus deterministischen Zusammenhängen, die den Menschen in seinem Dasein und mittels seines Denkvermögens erst weiterbringen. Dem ist jedoch nicht immer so. An georgischen Schulen besteht die zentrale Lehrfunktion in einem anderen Ziel: So viel Wissen wie möglich vermitteln. Die Kinder und Jugendlichen sollen möglichst viele Fakten lernen und diese auf Knopfdruck wiedergeben können. Dementsprechend wird nicht auf Verständnis gelernt, sondern auf Auswendiglernen –dies gilt nicht nur für die Sprache, sondern auch für alle anderen Fächer. Die georgischen Schüler sind in der Lage, perfekte Sätze in einer anderen Sprache zu sprechen, sie können sie aber selbst nur schwer bilden. Aufgrund dieser Art des Lernens sind sie leider nicht immer in der Lage, gewisse Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen. Provokant könnte man behaupten, dass damit genau das Ziel der georgischen Bildungspolitik erreicht wird… Schade ist nur, dass damit sehr viel Potential verloren geht. Denn die georgischen Schüler sind sehr lernbegabt und wissbegierig. So besuchen sie neben dem regulären Schulunterricht meist noch eine Musikschule und nehmen weiterhin Privatstunden in anderen Fächern oder in Form von Nachhilfe. Würden sie dann noch gesonderte Unterrichtstunden im Fach „Logik“ erhalten, so würde sich in Georgien (vermutlich) ganz schnell eine florierende, international bedeutende Ökonomie entwickeln.

 

M Markt, Marschrutka sowie Müll.

Markt: In den meisten georgischen Städten gibt es in der Regel einen Basari. Ein solcher lässt sich durchaus als Sehenswürdigkeit und lohnenswerte Touristenattraktion bezeichnen. Der Markt ist ein Erlebnis, gar ein kleines Abenteuer, welches man unbedingt er-, besser gesagt durchlebt haben sollte. Das Musterbeispiel für einen Basari-Dschungel stellt der Markt am Dinamo-Stadion, Tbilissi, dar. Wer sich in das waghalsige Abenteuer stürzt, sollte sich einen ganzen Tag dafür einplanen und am besten für den Abend zwei Flaschen Wein bereithalten, um das Erlebte möglichst schnell wieder vergessen zu können. Warum man den Basari besser nicht vollständig in Erinnerung behalten soll, liegt an den vielen Eindrücken, die einen regelrecht erschlagen. Das Meer an sich kumulierenden Impressionen lässt kaum mehr Raum für eine geerdete Wahrnehmung. An allen Seiten häufen sich Stände, tausende Kleinwaren und eine unendliche Masse an (kaufwahnsinnigen) Menschen. Es gibt alles, was man sich vorstellen kann, in hundertfacher, gar tausendfacher Ausführung –teilweise direkt nebeneinander. Die Waren, die sich auf einem Markt mit einer Fläche mehrerer Fussballfelder oder gar eines kleinen Stadtteils verteilen, sind nahezu identisch. Man kann sie teuer aber auch günstig erwerben. Erstgenanntes ist der Fall, wenn man in einer Markthalle, welche einem einstöckigen Kaufhaus ähnelt, einkauft. Zweitgenanntes ist der Fall, wenn man die Ware an einem Stand unter freiem Himmel bzw. unter einer Plastiktütenabdeckung erwirbt. Besonders kraftkostend in diesem Einkaufsgewusel sind die kleinen Hallen. Durchläuft man diese erfährt die Nase ganz neue Geruchswelten –leider lässt sich dies nicht immer als Zugewinn auffassen. So kann aus einem frisch geschlachteten bzw. schon länger da liegenden Stück Fleisch-Geruch gemischt mit dem Duft von gemahlenem Kaffee schnell das Essen des Vortages wieder hochkommen… Jedenfalls sollte man die kleinen Hallen, in welchen Lebensmittel angeboten werden, definitiv dann vermeiden, wenn der Magen schwach ist.

 

Marschrutka: Ohne die Kleinbus-Sammeltaxis würde die georgische Infrastruktur vermutlich zusammenbrechen. Sie fahren überall und nirgendwo zu jeder denkbaren Uhrzeit an jeglichen Ort Georgiens. Wer mit der Marschrutka unterwegs ist, braucht einiges an Mut –zumindest für weite Strecken und Nachtfahrten. So ist es mehr als gefährlich mit einer Marschrutka über Nacht beispielsweise von Tbilissi nach Batumi zu fahren. Die fünfstündige Fahrt kann dann durchaus den einen oder anderen Unfall beinhalten. Dabei kann es vorkommen, dass ein Tier mal eben so überfahren, schnell auf die Seite geräumt und weitergefahren wird. Einfach so, als sei das das selbstverständlichste nächtliche Geschehen dieser Welt. Neben solch kleinen Eskapaden erweisen sich die Marschrutka-Fahrten immer als äußerst amüsant. In einen kleinen Bus quetschen sich unendlich viele Menschen nebeneinander und werden ordentlich durchgeschüttelt. Von gewissen Plätzen lässt sich durchaus abraten: Entweder man hat so viel Platz, dass man beim Fahren mehrmals vom Hocker fällt oder man hat gar keinen Platz und wird mehrere Stunden eingeengt. Was immer garantiert ist, sind Kopfschmerzen. Dies ist gerade dann der Fall, wenn man einen Fensterplatz bezieht oder besonders groß ist. Dann stößt man sich leider nicht nur einmal den Kopf an. Nicht gerade angenehm… Schlafen ist deshalb während einer Marschrutka-Fahrt kaum bis gar nicht möglich –man wird durchgeschüttelt, eingeengt, stößt sich den Kopf und bei Unfällen sollte man lieber auch geistig anwesend sein. Noch hinzu kommt der meist äußerst suspekte Musikgeschmack der Fahrer. Insbesondere in der Nacht kann es vorkommen, dass Musik von „System of a Down“ bis „Griechischer Wein“ sich abwechselt und das Gemüt der Mitfahrer bei Sinnen hält. Ganz gleich, ob viele ältere Damen und Herren in der Marschrutka sitzen. Es wird geraucht, das Fenster bei Wind und Wetter offen gelassen und Musik so laut aufgedreht, wie es die Boxen ermöglichen.

Interessanterweise sind neben diesen Aspekten Marschrutkas ein wirklich zuverlässiges georgisches Transportmittel. So fahren diese immer pünktlich ab und zu fast jede gewünschte Uhrzeit. Die einzige Schwächelei liegt dann nur in der Dauer der Fahrt. Im Grunde kann man sich immer eine halbe Stunde dazurechnen, Tendenz nach oben. Dies liegt daran, dass die Marschrutka erst getankt wird, wenn sie voll mit Menschen ist. Dann wird meist noch an einer „Raststätte“ gehalten, damit sich der Fahrer Zigaretten und Getränke holen kann. Wenn man Pech hat, wird dann noch einer dritten Stelle gehalten, um Öl nachzufüllen. Das kann durchaus vorkommen und sollte fest in den Zeitplan miteinkalkuliert werden. All diese Stopps kann man natürlich nicht vermeiden, indem man sich vor Abfahrt darum kümmert… Doch ist es nicht genau diese Ruhe und Gelassenheit, die die Georgier so sympathisch macht?

 

Müll: An das Müllverhalten und den Umgang mit Müll in Georgien muss man sich wirklich erst einmal gewöhnen und das kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Mülltrennung und Recycling sind hier alles fremde Begriffe. Dafür sind Umweltvermüllung und Abfallproduktion im Übermaß omnipräsent. Es wird einfach immer alles, was man hat, auf den Boden geschmissen –egal wo. Mitten im Wald sammeln sich kleine Müllhaufen, die vermuten lassen, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, Abfall absichtlich dort hinzubringen und zu deponieren. Auch neben Kirchen, die eigentlich von so großer Bedeutung sind, befinden sich mal kleinere, mal größere Müllbergis. Angeblich soll ab Ende des Jahres eine Geldstrafe eingeführt werden, welche 200 Lari Bußgeld abverlangt, wenn jemand seinen Müll nicht in ein dafür gedachtes Behältnis wirft. Wer das jedoch kontrollieren soll, ist noch fraglich… Selbst wenn es entsprechende Kontrolleure für die Umweltverdreckung geben würde, dann würden diese ihrer Arbeit nicht hinterher kommen können. So muss sich zuerst das Bewusstsein für Müll und dem Umgang damit verändern –und das wird mehr als nur Zeit erfordern. Beispielsweise sollte in einer Schulstunde das Thema Müll behandelt werden. Die Frage hierzu war die folgende: Sollte man aufgrund der vielen Verpackungen und der daraus resultierenden immensen Müllananhäufung nicht mehr Fastfood-Restaurants besuchen? Das Ergebnis dieser Stunde waren einige Pro- und Contra-Punkte. Auf der einen Seite: Doch, das Essen ist lecker und es kommt gute Musik. Auf der anderen Seite: Nein, es sind zu viele kleine Kinder dort und das Essen schmeckt nicht immer. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite gab es einen einzigen Punkt zum Thema Abfall. Die Schüler hatten die Problematik nicht erkannt und damit auch nicht verstanden. Leider kein Einzelfall. Ähnliche Erfahrungen konnten auch in anderen Klassen gemacht werden. Auch nach intensiven Erklärungsversuchen konnten die georgischen Schüler mit Begriffen wie Mülltrennung oder Recycling nichts anfangen. Völlig fremde Begriffe und scheinbar völlig konträre Umgangsweisen, mit denen die Georgier leider noch nicht in Berührung gekommen und dadurch noch nicht damit vertraut sind. Stattdessen wird fleißig weiter alles eingepackt, was man einpacken kann. Auch nach 5 Aras wird einem immer noch eine Tüte für eine Flasche Cola in die Hand gedrückt. Das einzig Gute an der Verpackungs- und Tütenkultur: Hebt man sich diese auf, so muss man niemals Mülltüten kaufen, sondern kann fleißig den angesammelten Tütenberg aufbrauchen.

Man kann mit gutem Gewissen von einem völligen Abfallchaos sprechen. Und das obwohl ungefähr alle 15 Meter eine Mülltonne oder ein -eimer platziert ist –davon Gebrauch wird nicht immer gemacht. Weiter interessant ist auch die Tatsache, dass diese mitten in der Nacht (beispielsweise um 2 Uhr…) geleert werden. Als äußerst amüsant ist auch die Gelassenheit, die die Müllabfuhr-Arbeiter haben, welche gerne mitten am Tag ihr Fahrgefährt an einer Schule abstellen und es sich im daneben liegenden Park gemütlich machen. So hat mal wieder jede schlechte Seite auch eine erheiternde…